Kategorie-Archiv: Blog

Decolonize München

Dokumentation eines bundesweit einzigartigen Ausstellungsprojektes zu post/kolonialer Erinnerungskultur. Wie haben sich Kolonialismus und Rassismus in Münchens Stadtbild eingeschrieben? Wie wird mit den Spuren der kolonialen Vergangenheit in der Stadt umgegangen? An welchen Orten verdichten sich postkoloniale Auseinandersetzungen? Was wird debattiert, was verdrängt und verschwiegen? Wer darf sprechen über die Globalgeschichte der Stadt? Wessen Geschichten werden gehört, wessen Lebensspuren wahrgenommen? Was bedeutet Dekolonisieren heute? weiter / bestellen

Nichts gelernt!

Vor drei Jahren haben wir zusammen mit einem großen bundesweiten Bündnis den Offenen Brief „Decolonize Orientierungsrahmen!“ [https://decolonizeorientierungsrahmen.wordpress.com/] verfasst. In der Zwischenzeit ist der Orientierungsrahmen überarbeitet und neu aufgelegt wordenund wird in unzähligen Umsetzungsprojekten in Schulen und und in der Zivilgesellschaft verbreitet.
Anfang September diesen Jahres findet erneut eine Fachtagung zum Orientierungsrahmen [https://www.engagement-global.de/veranstaltung-detail/achte-kmk-bmz-fachtagung.html] in Bad Honnef statt. Ein Blick auf das Programm enttäuscht alle, die eine Weiterentwicklung im Sinne einer dekolonialen, emanzipatorischen Bildung erwartet haben. Inhaltlich glänzt die Veranstaltung mit Leerstellen zu macht- und rassismuskritischer Bildungsarbeit. Personell stehen v.a. weiße Männer im Programm. Migrantisch-diasporische und Schwarze Perspektiven sowie Perspektiven of Color fehlen erneut inhaltlich und auf den Podien. Ob die Organisator*innen der Veranstaltung von Engagement global wohl ihr eigenes Positionspapier zum Thema Anti-Rassismus [https://www.engagement-global.de/fachkreise.html?file=files/2_Mediathek/Mediathek_EG/Ueber_uns/Wer_wir_sind/Fachkreise/EG_Positionspapier_Anti-Rassismus.pdf] kennen? Die schönen Worte bleiben jedenfalls was den Orientierungsrahmen angeht, leere Worthülsen. Der Orientierungsrahmen ist nicht in der deutschen Migrationsgesellschaft angekommen. Im Gegenteil, der Orientierungsrahmen dient weiterhin als Werkzeug der Aufrechterhaltung weißer Überlegenheit.

Brechen wir das Schweigen! Solidarität mit Geflüchteten und Retter*innen

Die Situation auf dem Mittelmeer und in Libyen hat sich nochmals brutalisiert. Die Bedingungen für Seenotrettungen werden immer schwieriger. Die EU trägt zu dieser Eskalation bei.
Geflüchtete in Seenot werden derzeit vor allem von NGOs gerettet. Dagegen agiert die von der EU unterstütze sogenannte libysche Küstenwache immer härter gegen Geflüchtete und Retter*innen. Libysche Einheiten, ein undurchsichtiges Geflecht aus Sicherheitskräften, Milizen und Schleusern, schießen auf Rettungsboote und behindern die Arbeit von NGOs auf dem Mittelmeer. In Libyen werden Menschen verschleppt, gefoltert und vergewaltigt. Dies geschieht auch in offiziellen Haftzentren. Weiterlesen

kassel postkolonial

Im deutschen Kolonialismus war Kassel ein bedeutender Knotenpunkt, um koloniale Expansion voranzutreiben und Herrschaftsverhältnisse abzusichern. An vielen Orten finden sich bis heute Spuren davon: Die Orangerie war Schauplatz einer Kolonialaustellung, in der Witzenhäuser
Kolonialschule wurde Personal für die afrikanischen Kolonien ausgebildet und entlang der Unteren Königstraße haben zahlreiche Kolonialwarenläden Produkte vermarktet. Dem Projekt kassel postkolonial ist es wichtig, Verbindungen zwischen Kassels Rolle im historischen
Kolonialismus und unserem Alltag heute zu ziehen und das Nachwirken/Weiterwirken kolonialer Traditionen, Sichtweisen und Herrschaftsverhältnisse sichtbar machen.

Neuerscheinung: Decolonize the City!

Zwischenraum Kollektiv (Hg.)
Zur Kolonialität der Stadt – Gespräche | Aushandlungen | Perspektiven
Decolonize the City! versteht sich als notwendige Intervention in die deutschsprachige Debatte zur ›europäischen Stadt‹. Die Autor*innen fordern eine urbane Dekolonisierung und fragen aus einer rassismuskritischen und solidarischen Perspektive nach dem Alltag und den Kämpfen postkolonialer Migrant*innen und People of Color in der Stadt.

Im Mittelpunkt stehen die Perspektiven derjenigen, die als zugleich rassifizierte, vergeschlechtlichte und sexualisierte ›Andere‹ hervorgebracht und gelesen werden – und sich selbst so verstehen oder auch nicht. Unter anderem geht es um politische Praktiken der Verortung, um Selbstbezeichnung im deutschen/transnationalen Kontext oder das Verhältnis zwischen Stadt und der Verortung rassifizierter Menschen und Communitys.

Nicht zuletzt will dieser Sammelband zu einer dekolonisierenden Wissensproduktion beitragen und zum Archiv von Sprache in antirassistischen Kämpfen.

Bestellung: hier

Keine Erweiterung polizeilicher Befugnisse in der DNA-Analyse!

In größter Eile bemühen sich Sicherheitspolitiker_innen derzeit darum, noch in dieser Legislaturperiode die polizeilichen Befugnisse bei der DNA-Analyse drastisch zu erweitern. Mit einer Stellungnahme protestieren 25 zivilgesellschaftliche Organisationen gegen diesen äußerst bedenklichen Vorstoß. Sie bemängeln eine fehlgeleitete  Informationspolitik, die Verletzung von Datenschutzrechten und befürchten rassistische Stimmungsmache. Weiterlesen

Tribunal | NSU-Komplex auflösen

Das Tribunal ist hervorgegangen und wird getragen von dem bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“ sowie von einer Vielzahl von Personen, die sich aus unterschiedlichen Motiven gegen Rassismus engagieren wollen. Eine hervorgehobene Stellung haben die Betroffenen des NSU-Terrors, deren Standpunkte ein besonderes Gewicht haben. Mitmachen können alle, die sich mit den Zielen des Tribunals identifizieren. Alle Menschen, Gruppen, Vereine, Institutionen, die das Tribunal unterstützen wollen, sind herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen und sich zu beteiligen.
Das NSU-Tribunal wird vom 17.-21. Mai 2017 in Köln stattfinden.
Programm hier
Presseschau hier
Anklage hier

Neue Publikation: Die Spitze des Eisbergs

Die Spitze des Eisbergs
Spendenwerbung der internationalen Hilfsorganisationen – Kritik und Alternativen

herausgegeben von glokal e.V. und Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.

Ausgangspunkt für das Projekt (De-)koloniale Bilderwelten ist die entwicklungspolitische Spendenwerbung, die durch ihre Platzierung im öffentlichen Raum und in den Medien das Bewusstsein der Betrachter_innen prägt. Die Bilderwelten, die die Krisen im Globalen Süden porträtieren, sind geprägt von einer kolonialen Kontinuität. Die Körper von Schwarzen Menschen und Menschen of Color werden in passiven, leidenden, abhängigen Positionen gezeigt und auf diese reduziert.

Aus unterschiedlichen Positionen, Gruppen und Organisationen kamen Anstöße zu einer Auseinandersetzung mit Spendenwerbung und Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsorganisationen. Hier stand jedoch erstens Kritik im Vordergrund, zweitens blieb die Diskussion eher szene-intern auf entwicklungspolitische Akteur_innen beschränkt.

Mit dem Projekt (De-)koloniale Bilderwelten wollten wir einen Schritt weitergehen, indem wir die  Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal dazu eingeladen haben, alternative Werbeplakate zu entwerfen. Diese wurden auf Plakatwänden an zentralen Plätzen im öffentlichen Raum Berlins gezeigt.

Außer den künstlerischen Beiträgen dieses Projekts versammelt diese Publikation zudem die Stimmen und Gegenentwürfe von Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen.

Download der e-Publikation hier

Willkommen ohne Paternalismus

Hilfe und Solidarität in der Unterstützungsarbeit

Seit dem sogenannten Sommer der Migration 2015 rücken die Themen Migration und Flucht zunehmend in den Fokus gesamtgesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Europaweit gründeten sich viele neue Gruppen, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und ihnen die Aufnahme zu erleichtern. Doch einige Geflüchteten-Selbstorganisationen kritisieren: „Die Hilfe war am Anfang gut. Aber Essen und Kleidung sind nicht genug.“

In der 80-seitigen Publikationen gehen wir aus vielfältigen Perspektiven auf die Phänomene Flucht, Migration, Hilfe und Solidarität ein. glokal e.V. bietet seit Jahren Seminare zu Rassismuskritik, Diskriminierungssensibilisierung und Empowerment an, auch für Geflüchteten-Unterstützungsgruppen. Aus dieser Erfahrung heraus sprechen wir Probleme an, die oft in Unterstützungsgruppen auftauchen und welche Ansätze es zu deren Überwindung gibt. Wir erweitern den thematischen Rahmen, in dem meist über Flucht, Migration, Macht und Rassismus gesprochen wird. Detailliert wird die Selbstorganisation Geflüchteter seit den 1990er Jahren in Deutschland behandelt, in Berichten und Interviews analysieren refugee-Aktivist*innen und andere Menschen mit Fluchterfahrung das Abschottungs- und Lagersystem, sowie Unterstützungsstrukturen.

Abschließend unterstützt eine ausführliche Reflexions- und Praxishilfe die Leser*innen aus Unterstützungsgruppen bei der Analyse und Transformation des eigenen Engagements.

Die Broschüre kann [hier] bei uns bestellt werden.