Kategorie-Archiv: Blog

Publikation

Die Spitze des Eisbergs
Spendenwerbung der internationalen Hilfsorganisationen – Kritik und Alternativen

Ausgangspunkt für das Projekt (De-)koloniale Bilderwelten ist die entwicklungspolitische Spendenwerbung, die durch ihre Platzierung im öffentlichen Raum und in den Medien das Bewusstsein der Betrachter_innen prägt. Die Bilderwelten, die die Krisen im Globalen Süden porträtieren, sind geprägt von einer kolonialen Kontinuität. Die Körper von Schwarzen Menschen und Menschen of Color werden in passiven, leidenden, abhängigen Positionen gezeigt und auf diese reduziert.

Aus unterschiedlichen Positionen, Gruppen und Organisationen kamen Anstöße zu einer Auseinandersetzung mit Spendenwerbung und Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsorganisationen. Hier stand jedoch erstens Kritik im Vordergrund, zweitens blieb die Diskussion eher szene-intern auf entwicklungspolitische Akteur_innen beschränkt.

Mit dem Projekt (De-)koloniale Bilderwelten wollten wir einen Schritt weitergehen, indem wir die  Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal dazu eingeladen haben, alternative Werbeplakate zu entwerfen. Diese wurden auf Plakatwänden an zentralen Plätzen im öffentlichen Raum Berlins gezeigt.

Außer den künstlerischen Beiträgen dieses Projekts versammelt diese Publikation zudem die Stimmen und Gegenentwürfe von Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen.

Download der e-Publikation hier

Willkommen ohne Paternalismus

Hilfe und Solidarität in der Unterstützungsarbeit

Seit dem sogenannten Sommer der Migration 2015 rücken die Themen Migration und Flucht zunehmend in den Fokus gesamtgesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Europaweit gründeten sich viele neue Gruppen, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und ihnen die Aufnahme zu erleichtern. Doch einige Geflüchteten-Selbstorganisationen kritisieren: „Die Hilfe war am Anfang gut. Aber Essen und Kleidung sind nicht genug.“

In der 80-seitigen Publikationen gehen wir aus vielfältigen Perspektiven auf die Phänomene Flucht, Migration, Hilfe und Solidarität ein. glokal e.V. bietet seit Jahren Seminare zu Rassismuskritik, Diskriminierungssensibilisierung und Empowerment an, auch für Geflüchteten-Unterstützungsgruppen. Aus dieser Erfahrung heraus sprechen wir Probleme an, die oft in Unterstützungsgruppen auftauchen und welche Ansätze es zu deren Überwindung gibt. Wir erweitern den thematischen Rahmen, in dem meist über Flucht, Migration, Macht und Rassismus gesprochen wird. Detailliert wird die Selbstorganisation Geflüchteter seit den 1990er Jahren in Deutschland behandelt, in Berichten und Interviews analysieren refugee-Aktivist*innen und andere Menschen mit Fluchterfahrung das Abschottungs- und Lagersystem, sowie Unterstützungsstrukturen.

Abschließend unterstützt eine ausführliche Reflexions- und Praxishilfe die Leser*innen aus Unterstützungsgruppen bei der Analyse und Transformation des eigenen Engagements.

Die Broschüre kann [hier] bei uns bestellt werden.

Wir fordern die Uni Frankfurt auf, sich zu zivilem Ungehorsam zu positionieren

Zwei Tage vor Weihnachten erreichte uns eine Antwort des Gleichstellungsbüros der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf unser Schreiben vom 18.12.2016. Wir freuen uns über die klaren Worte: Distanzierung von AfD und der Jungen Alternative; Einsicht in besorgniserregende Pressearbeit; Übernahme von Verantwortung für die Unterstützung rechter Hetze; Einschätzung zur Zufriedenheit der Workshop-Teilnehmenden und zur inhaltlichen Qualität des Workshops; Erklärung zur Wahrnehmung der Zusammenarbeit mit glokal e.V.; und Angebot zu einem klärenden Gespräch, evtl. mit der Uni-Präsidentin.

Wir sind jedoch angesichts der Auseinandersetzung mit der Universität und dem Gleichstellungsbüro nicht der Ansicht, dass der „eigentliche[] Skandal“ darin liegt, „dass Junge Alternative durch Falschaussagen die Arbeit gegen Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung beschädigen“. Was wäre denn von einer rechten Gruppierung anderes zu erwarten? Es ist also umso mehr die Verantwortung einer Gesellschaft mitgestaltenden Institution wie der Universität, einer allgemeinen Rechtsverschiebung der Politik, gesellschaftlicher Gruppen und des Sagbaren aktiv etwas entgegenzusetzen. Dies nicht zu tun, ist der Skandal.

Für uns ist  diesbezüglich nicht nachzuvollziehen, warum sich das Gleichstellungsbüro nicht klar zur Notwendigkeit bekennen kann, zivilen Ungehorsam gegenüber rassistischen Praktiken wie Racial Profiling zu üben. Und wie sieht dies die Universität, die eine Angela Davis Gastprofessur für Gender und Diversity Studies eingerichtet hat? Angela Davis, die sich als Teil der Occupy-Bewegung sieht und für die gelebter Widerstand Dreh- und Angelpunkt ihrer Theorie und Praxis ist, hat es bei ihrem Aufenthalt in Frankfurt 2013 anlässlich der nach ihr benannten Professur „einerseits überrascht, gleichzeitig aber auch betroffen gemacht, wie sehr sich die Probleme mit rassistisch-motivierter Gewalt und Diskriminierung, z.B. in Bezug auf „racial profiling“ […] im deutschen und US-amerikanischen Kontext ähneln“ (http://www.cgc.uni-frankfurt.de/angeladavis-bericht.shtml). Nachdem die Kölner Polizei – wohlwissend, dass ihr Handeln von gegenwärtigen rassistischen Diskursen wohlwollend aufgenommen wird – in der Silvesternacht 2016 sich selbst brüstend massenhaft Racial Profiling durchgeführt und damit gegen das Grundgesetz verstoßen hat, ist es umso wichtiger, entschieden gegen institutionellen Rassismus zu handeln.

Einsicht und eine Entschuldigung an uns als Verein und an die direkt betroffen gemachten Referenten ist notwendig und gut. Die Goethe-Universität muss sich jedoch über das vereinzelnde dialogische Moment hinausgehend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. In diesem Sinne fordern wir von der Universität, sich zur Praxis des zivilen Ungehorsams in einem post-kolonialen, post-nationalsozialistischen Land zu positionieren und hierüber eine öffentliche Debatte zu führen.

Der rassistischen Polizeiselektion in der Kölner Silvesternacht müssen politische Konsequenzen folgen

Die Antirassistische Initiative e.V. verurteilt in ihrer Pressemitteilung vom 10.01.2017 aufs Schärfste die rassistischen Aussonderungen von Besucher*innen der Domplatte in der Silvesternacht und deren Verunglimpfung durch die Kölner Polizei und fordert Konsequenzen für die Verantwortlichen. Weiterlesen

(De-)koloniale Bilderwelten mit den Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal

„Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen statt sie zu zerstören?“ (Roland Barthes)

Im Rahmen des Projektes (De-)koloniale Bilderwelten (zum Projekt) haben wir die internationalen Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal  dazu eingeladen, aus ihrer jeweiligen künstlerischen Perspektive globale Ungerechtigkeit in einer diskriminierungssensiblen Art und Weise kreativ zu übersetzen. Daraus sind Plakate kreiert worden, die Menschen zum (politischen) Handeln anregen.
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Stellungnahme von glokal e.V. zu den Vorkommnissen an der Universität Frankfurt

Angefragt vom Gleichstellungsbüro Goethe-Universität in Frankfurt/Main, haben am 10. November 2016 zwei Referenten unseres Vereins glokal e.V. einen Workshop mit dem Titel „Rassistisch? – ich doch nicht! Rassismuskritische Sensibilisierung im Hochschulkontext“ angeboten. Einer der Teilnehmer war Jonas B., der – wie sich im Nachhinein herausstellte – Beisitzer der Jungen Alternativen (Jugendorganisation der Alternative für Deutschland/AfD) in Hessen ist. Vier Wochen nach dem Workshop verfasste er einen youtube-Clip unter dem Titel „Erfahrungen aus dem Rassismusworkshop“ (Link: https://www.youtube.com/watch?v=7OHSdSj-Vsc) und wandte sich mit der Jungen Alternative per Pressemitteilung an die Öffentlichkeit
(Link: https://www.facebook.com/JainFrankfurt/photos/a.185144411899079.1073741828.154473238299530/240384756375044/?type=3&theater).
Darin wird unseren Referenten vorgeworfen, im Workshop zu Gewalt gegen Polizist*innen aufgerufen zu haben.
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„Ihr seid in meinem Rettungsland angegriffen worden“

Anlässlich des Jahrestages des Brandanschlages von Mölln hat der Schriftsteller, Aktivist und aktives glokal Mitglied Doğan Akhanlı in diesem Jahr die Möllner Rede gehalten. Auf Initiative der Familie Arslan wird jedes Jahr um den 23. November an die Opfer des Anschlags gedacht. Seit mehrere Jahren findet die Rede im Exil statt, dieses Jahr in Köln. Die bewegende Rede in dem Akhanlı den Bogen von Mölln über Erinnerungspolitik zu der Aufarbeitung der NSU Morde schlägt, ist hier nachzulesen.

 

Protest gegen Abschiebe- und Migrationsabwehrabkommen

Am 11.11.2017 gibt es eine Busdemo zu mehreren afrikanischen Botschaften und der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Hintergrund ist der immer brutaler werdende Valetta-Prozess, mit dem die EU nicht nur die Flucht- und Migrationsrouten aus afrikanischen Ländern dicht machen, sondern auch Abschiebungen aus Europa massiv forcieren will. Gegen diese Politik müssen wir auf die Straße gehen – sofort, laut und mit vielen! Weiterlesen

Aktionswoche Gedenken & Widerstand (Berlin)

Der Gerichtsprozess zur NSU-Mordserie wird 2017 abgeschlossen. Anstatt die dringlichen Anliegen der Angehörigen und der Nebenklage ernst zu nehmen, die politische Bedeutung des NSU für die gesamte deutsche Justiz, den Verfassungsschutz und weitere Ermittlungsbehörden aufzuarbeiten, wurde im Prozess nur die Tatbeteiligung eines kleinen Neonazikreises verhandelt. Weiterlesen