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Ohne Paternalismus: Qualifizierungsreihe für Menschen mit Fluchterfahrung, Sensibilisierungs- und Empowermentworkshops in der Solidaritätsarbeit

Die professionelle und ehrenamtliche Arbeit, die im Rahmen der so genannten Willkommenskultur geleistet wird ist immens wichtig, denn sie erleichtert vielen Menschen das Ankommen in Deutschland. Eine Gemeinsamkeit der sehr unterschiedlichen Akteur*innen in diesem Feld ist, dass sie von überwiegend Menschen ohne eigene/direkte Fluchterfahrung geprägt sind. Hier fehlt die Perspektive der Betroffenen. Geflüchtete Menschen werden in dieser Arbeit sowohl medial als auch in der direkten Zusammenarbeit oftmals zu Objekten gemacht, zu passiven Opfern, denen geholfen und für die gesprochen werden muss. Selbstorganisierte Geflüchtete z. B. von The VOICE u.a. haben oft auf diese Problematik und auf ihre eigene Solidaritätsarbeit zur Veränderung rassistischer Strukturen in der deutschen Gesellschaft hingewiesen.

Anknüpfend hieran wollen wir mit unserer Arbeit diesen Schieflagen etwas entgegensetzen. Seit nun schon mehreren Jahren bieten wir rassismus- und privilegienkritische Workshops für Solidaritätsgruppen/Initiativen an. Die Zielgruppen werden dazu befähigt, sich diskriminierungssensibel zu verhalten und darin gestärkt ihre Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen gleichberechtigter zu gestalten. Geflüchtete Menschen erhalten gleichzeitig die Möglichkeit des Empowerments. Sie werden darin bestärkt selbstbewusst für sich zu sprechen, ihre Rechte einzufordern und Diskriminierung nicht einfach hin zu nehmen.

Das Projekt imfassst drei Angebote:

Sensibilisierungsworkshops für Solidaritätsgruppen/Willkommensiniativen:
Schreibt uns, wenn ihr eure eigene Arbeit reflektieren und diskrminierungssensibel ausgestalten wollt. Wir schneiden unsere Angebote immer auf den Bedarf der Gruppen zu und führen ausführliche Vorgespräche, um zu garantieren, dass die Workshops die Belange der Gruppen aufgreifen. Über offen ausgeschrieben Veranstaltungen informieren wir in unserem Newsletter.

Empowerment für Menschen mit Fluchterfahrung:
Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Menschen, die die Erfahrung der Flucht und des Ankommens in Deutschland haben, sich austauschen und gegenseitig stärken können. Gemeinsam wollen wir überlegen, wie wir es schaffen Verletzungen und Diskriminierung anzusprechen und nicht zu akzeptieren, was zum Beispiel Unterstützer*innen/Behörden/etc. sagen und tun. Langfristig wollen wir über Strategien der politischen Organisation nachdenken und ggf. gemeinsam erproben.

Qualifizierungsreihe:
Für eine Qualifizierungsreihe möchten wir bis zu 15 Menschen mit Fluchterfahrung die Möglichkeit, sich als Multiplikator*innen und Berater*innen in der (Bildungs-)arbeit auszubilden, so dass sie zukünftig die zuerst genannten Formate selbst durchführen können. In Abstimmung mit dem Bedarf der Gruppe sollen bisher in 5 dreitägigen Seminaren die folgendenden Themen behandelt werden:
1) Empowerment
2) Methodik für die Arbeit mit Gruppen
3) Umgang mit Dominanz und Machtverhältnissen in der Arbeit mit Gruppen
4) Vorstellen eines systemisch-machtkritischen Bildungsansatzes
5) Reflexion der eigenen Rolle und Konzipierung eines eigenen Workshopformates
Vorerfahrungen im Arbeiten mit Gruppen sind von Vorteil aber kein Muss. Sprecht uns gerne an, wenn ihr Interesse habt oder unsicher seid, ob diese Fortbildung für euch passen könnte. Wir möchten insbesondere Frauen mit Fluchterfahrung auffordern sich zu bewerben.
Alle Module werden in Berlin stattfinden, der erste Termin ist vom 20.-22.10.2016. Fahrtkosten können übernommen werden. Um Übernachtung und Kinderbetreuung werden wir uns kümmern. Vorläufiger Plan hier.
Vorläufiger Plan Englich
Hier der Aufruf für die Qualifizierungsreihe:
Call_Englisch
Aufruf_Deustch
call_arabic

Für Anmeldung und Fragen: opat[at]glokal.org

Mit dem Projekt „Willkommen ohne Paternalismus“ soll ein Beitrag dazu geleistet werden, die Wahrnehmung von Menschen mit Fluchterfahrung als Akteure (entwicklungspolitischen) Handelns zu stärken. Die bisherige Wahrnehmung von Geflüchteten als Hilfsempfänger*innen steht einer gleichberechtigten Zusammenarbeit im Wege. Um diese Hürde zu überwinden muss auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft eine Sensibilisierung und auf Seiten der Menschen mit Fluchterfahrung Empowerment stattfinden. Die Zielgruppen werden durch das Projekt dazu befähigt, sich zum einen diskriminierungssensibel zu verhalten und zum anderen empowert für sich zu sprechen und auf Diskriminierung hinzuweisen und langfristig zu einer Veränderung der Gesellschaft beizutragen.

Das Projekt wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ sowie der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin.