Anti-Bias: Vorurteile Macht Diskriminierung

>Bias< kommt aus dem Englischen und steht für Voreingenommenheit, Vorurteil, aber auch Schieflage. Anti-Bias ist ein erfahrungsorientierter Ansatz der Anti-Diskriminierungsarbeit. Um (gesellschaftliche) Schieflagen zu verändern soll mit der Anti-Bias Arbeit für Diskriminierungen sensibilisiert werden und zu vorurteilsbewusstem und machtkritischem Handeln angeregt werden. Ausgehend von Kritik an Konzepten des interkulturellen Lernens wurde der Ansatz in den USA zunächst für die Arbeit mit (Klein-)Kindern entwickelt. In Südafrika wurde Anti-Bias nach Ende der Apartheid für die Erwachsenenbildung weiterentwickelt.

Seit Anfang der 1990er wird er in Deutschland mit verschiedenen Zielgruppen (und vor allem auch mit Multiplikator_innen) praktiziert. Dem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass Haltungen, Werte bzw. Normen in Kombination mit unterschiedlichen Formen von Macht (Definitionsmacht; institutionelle, situative, politische, juristische Macht) zu Diskriminierung führen können. Vorurteile und auch diskriminierendes Handeln werden dabei nicht als „Probleme“ Einzelner verstanden, sondern als Ausdruck und Fortführung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Im Vordergrund der Arbeit steht somit, die eigenen Verstrickungen und Handlungsspielräume in diesen Verhältnissen zu erkennen.

In den Seminaren wird von den individuellen Erfahrungen der jeweiligen Gruppe mit allen ihren Mitgliedern ausgegangen. In der Anti-Bias-Arbeit wird versucht, alle möglichen Diskriminierungsformen einzubeziehen, ohne diese von vornherein hierarchisch zu gliedern. Stattdessen werden sie in ihren Bedeutungen für die Teilnehmenden und in ihrer unterschiedlichen Geschichte, Ausprägung und Häufigkeit wahrgenommen und anerkannt. Dazu gehört sowohl eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität als auch mit der Frage nach der Konstruktion von Identitäten innerhalb von Gesellschaften.

Durch praktische Übungen und eine kritische Reflexion werden beispielsweise vorherrschende Bilder (meist über „die Anderen“) und ihre Entstehung hinterfragt. So entsteht die Möglichkeit das eigene Handeln vorurteilsbewusst zu gestalten. Mit Anti-Bias zu arbeiten, spiegelt sich für uns jedoch eher in einer machtkritischen und vorurteilsbewussten Haltung als in einer Methodensammlung wider.

Wir verstehen uns als Begleiter_innen im individuellen und kollektiven Lernprozess, der auch für uns nie abgeschlossen ist. In der Seminararbeit wollen wir einen Raum eröffnen, in dem eine intensive und erfahrungsorientierte Auseinandersetzung mit Macht und Diskriminierung möglich ist. Gemeinsam entwickelte, alternative Handlungsformen befähigen die Teilnehmer_innen dazu sich aktiv und solidarisch gegen Diskriminierung einzusetzen. Voraussetzung hierfür ist eine wertschätzende Atmosphäre und die Bereitschaft der Teilnehmenden sich auf den Lernprozess einzulassen.

Wir verfolgen ein offenes Konzept von Anti-Bias, das sich auf Grundannahmen des Ansatzes stützt und sich entlang von Qualitätsaspekten und im Austausch mit anderen Anti-Bias-Praktiker_innen beständig weiterentwickelt.