Kritische Auseinandersetzung mit interkulturellem Lernen

In verschiedenen pädagogischen Ansätzen wird dem Konzept ‚Kultur‘ ein zentraler Stellenwert eingeräumt: so zum Beispiel bei den Themenbereichen Inter-/Transkulturelles Lernen, Interkulturelle Kompetenz, Entwicklungszusammenarbeit, Globales Lernen und Rassismus. Vor allem im Rahmen von internationalen Freiwilligendiensten und Jugendbegegnungen spielen diese Themenfelder eine große Rolle, aber auch in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit.

Unser Verständnis von „Kultur“ orientiert sich stark an aktuellen Debatten, die verbreitete (statische) Kulturbegriffe kritisieren und sich gegen ein verkürztes Verständnis von beispielsweise Interkultureller Kompetenz als erlernbares Werkzeug zum Gelingen von vermeintlich interkulturellen Situationen wenden. In Bezug auf Ansätze und Methoden in der Bildungsarbeit ist jedoch nicht nur der Kulturbegriff an sich zu problematisieren, sondern auch die Tatsache, dass „Kultur“ in bestimmten Kontexten als der bestimmende Faktor für Wesensart und Handeln von Individuen herangezogen wird.

Wir wenden uns gegen das Ausblenden anderer Kategorien, die unsere Identität(en) ausmachen und möchten den Blick auch auf Machtverhältnisse und gesellschaftlichen Strukturen richten. Dies gilt zum Beispiel im Hinblick auf Konzepte von „Eigenem“ und „Fremdem“: oft werden diese weder auf ihre Funktion hinterfragt, noch wird geschaut, ob und wie diese innerhalb von ungleichen Machtverhältnissen gesellschaftlich konstruiert werden.

Seit einiger Zeit konzentrieren sich kritische Analysen des Kulturbegriffs zudem auf seine Verwandtschaft mit Rassismus. Viele gegenwärtige Formen von Rassismus kommen ohne den expliziten Bezug auf „Rasse“ bzw. Rassentheorien aus; vielmehr beziehen sie sich auf vermeintliche kulturelle Unterschiede: „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch“ (Theodor W. Adorno).

In aktivistischen und wissenschaftlichen Debatten wurden diesbezüglich mittlerweile gute Problemanalysen geliefert. Nur selten wird jedoch der für die Bildungsarbeit nötige Praxisbezug hergestellt oder werden inhaltlich und methodisch nutzbare Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

In unseren Workshops möchten wir kritischen Perspektiven einen Raum geben und

  • den Teilnehmenden einen Überblick über aktuelle aktivistische und wissenschaftliche Debatten in Bezug auf „Kultur“ verschaffen und deren Relevanz für die pädagogische Praxis diskutieren,
  • dazu anregen, sich mit der Komplexität des Kulturbegriffs auseinanderzusetzen, klassische Fallstricke thematisieren (Homogenisierung, Exotisierung, Kulturalisierung, etc.),
  • auf die Verwobenheit von Kulturvorstellungen mit Rassismus eingehen, zu eine Selbstreflexion bezüglich der eigenen Positionierung im Hinblick auf gesellschaftliche Privilegien anregen,
  • die Konstruktion von gesellschaftlich anerkannten Normalitäten im Hinblick auf Kategorien wie „Differenz“, „Anders-“ und „Fremdheit“ thematisieren.

Unsere Workshops richten sich in erster Linie an Multiplikator_innen aus der Bildungsarbeit. Dabei möchten wir konkrete Möglichkeiten einer kulturalisierungs- und rassismuskritischen Bildungsarbeit aufzuzeigen.