Postkoloniale Perspektiven auf Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungshelfer_in zu werden ist ein weit verbreiteter Berufswunsch unter Jugendlichen. In Deutschland gibt es beispielsweise seit 2008 den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts mit dem bereits mehrere Tausend Freiwillige in sogenannte Entwicklungsländer entsendet wurden. Hinzu kommen andere Programme und immer weitreichendere Ausbildungsmöglichkeiten. Die Motivation hängt oftmals damit zusammen, dass ‚Entwicklungszusammenarbeit’ (EZ) unhinterfragt mit Gutem, mit karitativen Projekten, Bekämpfung von Ungerechtigkeit, Barmherzigkeit und Hilfe verbunden wird. Schließlich wollen wir doch alle, dass die armen Länder von unserer technologischen ‚Entwicklung’ und unserem Wissen profitieren! Irgendwann sollen alle so leben können wie wir! Oder etwa nicht?

Ist es nicht auch bevormundend davon auszugehen, dass ‚wir’ wissen, wer sich wie zu ‚entwickeln’ hat? Können ‚wir’ nicht auch vom globalen Süden lernen? Ist sogenannte Entwicklungshilfe nicht auch ein massiver Eingriff in eine andere Gesellschaft? Ist gut Gemeintes immer gut? Bei unserer Auseinandersetzung mit ‚EZ’ gehen wir insbesondere darauf ein,  dass diese eng mit dem europäischen Kolonialismus verwoben ist. Seit Jahrzehnten ist genau dies auch Gegenstand von politischem Aktivismus und zahlreichen wissenschaftlichen Forschungen in Süd und Nord: ‚EZ’ wird dabei als Mittel zur Ausübung von Herrschaft betrachtet, die dazu dient die westliche Vormachtstellung ökonomisch, politisch und kulturell aufrechtzuerhalten und Gesellschaften nach dem eigenen Bild zu formen. Rassismus als zentrale Grundlage und Legitimation von Kolonialismus, spielt dabei implizit immer noch eine wichtige Rolle für die Argumentation wer von wem warum ‚entwickelt’ werden sollte. Neben der Bedeutung von Rassismus auf der ideologischen Ebene sind Machtverhältnisse zu Gunsten von Weißen in Arbeitsstrukturen, Projektarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Spendenwerbung und Bildungsarbeit von Bedeutung.

In unserer Bildungsarbeit beleuchten wir ‚Entwicklungszusammenarbeit’ auf ihre kolonialen Wurzeln sowie ihre Zusammenhänge mit Rassismus. Indem Leerstellen sichtbar gemacht werden, kann eine Diskussion um Vermeidung von Rassismus in der Arbeitspraxis angestoßen werden. Dies schließt nicht zuletzt die Frage ein, ob dies innerhalb der gegebenen Strukturen und Machtverhältnissen überhaupt möglich ist. Dennoch ist uns bei dieser Auseinandersetzung wichtig zu diskutieren, wie wir dabei dennoch handlungsfähig sein können.

Wir bieten Workshops, Vorträge sowie mehrtägige Seminare zufolgenden Themen an:

  • Kritische Einführung in die EZ
  • Vom Kolonialismus zur EZ
  • Vermeidung von Rassismus in der entwicklungspolitischen Öffentlichkeitsarbeit
  • Rassismus in der EZ (z.B. mit einem Fokus wahlweise auf Ideologie, Arbeitsstrukturen, Projektarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Spendenwerbung, Bildungsarbeit…)
  • Partnerschaftskonzepte
  • Kritische Betrachtung der Millenium Development Goals
  • Mission, EZ und Kolonialismus
  • Vermeidung von Rassismus in entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten
  • Kritische Begleitung von Süd-Nord-Freiwilligendiensten

Weitere Themen auf Anfrage. Hier finden Sie/findet ihr Beispiele.