VertreterIinnen von Herero und Nama besuchen Berlin

Nach der Armenien-Debatte fordern Zivilgesellschaft und Opposition die Anerkennung des 1904-08 von der deutschen „Schutztruppe“ begangenen Völkermords im heutigen Namibia. In Berlin werden führende Herero und Nama für die Übergabe eines Appels, öffentliche Gedenkveranstaltungen und Diskussionsrunden erwartet.

Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“

Pressemitteilung vom 2.7.2015

Nach der Armenien-Debatte: Zivilgesellschaft und Opposition fordern die Anerkennung des 1904-08 von der deutschen „Schutztruppe“ begangenen Völkermords im heutigen Namibia. In Berlin werden führende Herero und Nama erwartet

100 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia wird in Berlin – der Partnerstadt von Windhoek (Namibia) – eine hochrangige namibische Delegation unter Leitung des OvaHerero Paramount Chief Adv. Vekuii Rukoro und der Parlamentsabgeordneten und Namavertreterin Ida Hoffmann erwartet. Am Montag dem 6. Juli werden die namibischen Gäste um 10 Uhr der Übergabe der ersten Unterschriftenlisten zum Appell „Völkermord ist Völkermord!“ an den Bundespräsidenten beiwohnen.

In ihrem Aufruf vom 9.6.2015 fordern das Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“  und mehr als 150 prominente Erstunterzeichner*innen aus Wissenschaft und Politik, Kirche und Kultur, Black Community und NGO Deutschland dazu auf, zum 100. Jahrestag des Endes von „Deutsch-Südwestafrika“ am  9. Juli 2015 endlich auch den Völkermord an den OvaHerero und Nama beim Namen zu nennen. Außerdem drängen die Unterzeichnenden auf eine offizielle Bitte um Entschuldigung, zur Rückgabe der vielen für rassistische Forschungen geraubten menschlichen Überreste aus Afrika und zur direkten Einbeziehung der OvaHerero und Nama in die Verhandlungen über geeignete Versöhnungsmaßnahmen.

Diese Forderungen – welche vom jetzigen Außenminister Steinmeier 2012 noch selbst erhoben wurden – haben in ihren aktuellen Anträgen, die dem Bündnis vorliegen, nun auch die Oppositionsparteien Die LINKE und Bündnis 90/Die Grünen bekräftigt. Sie erhöhen damit den Druck auf die Bundesregierung, die in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zur deutschen Kolonialvergangenheit u.a. angegeben hatte, dass sie sich bereits seit Juni 2014 in einem Dialog mit der namibischen Regierung befindet, der „erstmals auch die Suche nach einer gemeinsamen Haltung und einer gemeinsamen Sprache in Bezug auf den grausamen Kolonialkrieg der Jahre 1904 bis 1908“ umfasst (BT Drucksache 18/5166). <http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/051/1805166.pdf>
Am  7. Juli 2015 um 17 Uhr werden die Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und der namibischen Opferverbände am beschämenden „Namibia-Stein“ – dem einzigen Berliner Gedenkort für die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft – auf dem Garnisonsfriedhof am Columbiadamm in Neukölln Blumen niederlegen. Um 19 Uhr werden sie als Gäste des Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“ in der Werkstatt der Kulturen im Rahmen einer Podiumsdiskussion über den Genozid 1904-08 sowie über ihren anhaltenden Kampf für „restorative justice“ berichten.

Appell, Regierungsantwort, etc.: http://genocide-namibia.net/ <http://genocide-namibia.net/>
Übergabe des Appells: 6.7.um 10 Uhr, Bundespräsidialamt, Spreeweg 1, 10557 Berlin

Gedenkveranstaltung: 7.7. um 17 Uhr, Friedhof Columbiadamm 122, 10965 Berlin

Podiumsdiskussion: 7.7. um 19 Uhr, Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32, 12049 Berlin

Kontakt: Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“,,01799 100 976, buero[at]berlin-postkolonial.de <http://berlin-postkolonial.de/>