Hier gibt’s einen weiteren Beitrag von Malaika wa Azania zur Debatte um Antirassismus in Südafrika, der auch für unsere Arbeit bei glokal wichtig ist: „Education must either function as an instrument that is used to facilitate integration of the younger white generation into the logic of the present system and bring about conformity, or it becomes the practice of freedom – the means by which they deal critically with reality and discover how to transform their thinking.“
Archiv der Kategorie: Unkategorisiert
Dear White People
„Settler Sister“ Gillian Schutte hat das Jahr mit einem Brief an ihre weißen Mitbürger_innen begonnen und damit in Südafrika die Debatte um historische Verantwortung und die Strategien antirassistischer und dekolonialer Kämpfe mal wieder zum Auflodern gebracht. Die Black Consciousness-Aktivist_innen Athi-Nangamso Esther Nkopo und Andile Mngxitama kritisieren in ihrer Antwort, Schutte würde sich als die gute Weiße produzieren und suggerieren, Weißsein könne individuell abgelegt oder in ein gutes, antirassistisches Weißsein transformiert werden. Jackie Shandus Kritik geht eher an die Adresse der Schwarzen, die Schutte abfeiern und damit ihrer Sehnsucht nach dem weißen Messias nachkämen, anstatt ihre eigenen Kämpfe zu führen. Hier ist eine Sammlung vieler lesenswerter Kommentare auf den Brief und zu der Debatte insgesamt. Schutte hat sich gestern dann auch nochmal zu Wort gemeldet. Solch politisch engagierte und intellektuell hochwertige Debatte in der Mainstream-Presse … Und uns bleibt nur übrig, uns über die Dünnbrettbohrerei in Zeit und Spiegel zu ärgern.
Consuming Africa (at Christmas Time)
Auf dem Blog „Africa is a country“ analysiert Elliot Ross die Veränderungen in der Spendenwerbung des britischen „charity-industrial complex“: von „disaster porn“ zu einer Ästhetik der Abwesenheit. Den Artikel findet ihr hier.
Delhi gang-rape: look westward in disgust
Emer O’Toole beleuchtet in The Guardian die neokoloniale Art und Weise, wie in den britischen und US amerikanischen Medien über die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Neu Delhi berichtet wird. Dieser Kommentar wird wiederum von Sunny Hundal kritisiert: Ihm zufolge benötigt Indien keine wohlmeinende Verteidigung durch Weiße, die Angst davor haben, als Rassist_innen abgestempelt zu werden. Vielmehr solle endlich indischen Frauen zugehört werden.
Radiator Aid? No, thanks!
Nach unser Kritik an „Radi-Aid“ haben sich auch zwei Wissenschaftler vom Norwegian Institute for International Affairs zu Wort gemeldet. Sie kritisieren die Vernachlässigung zentraler entwicklungspolitischer Prinzipien wie „gute Regierungsführung“, „Ownership“, „Effektivität“ und „ganzheitlicher Ansatz“. Ihre detaillierte Analyse ist hier zu finden.
Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. vom 06.12.2012
Indizien fűr Mordthese verdichten sich, das Gericht lehnt entsprechende Beweisanträge ab und drängt auf ein schnelles Ende des Verfahrens – In Sachsen-Anhalt wird offensichtlich ein Mord vertuscht!
Die Beweise, die fűr die Ermordung von Oury Jalloh sprechen, verdichten sich immer weiter. Die Nebenklagevertretung stellte deshalb am Dienstag einen Eilantrag mit der dringenden Forderung, ein ergänzendes Brandgutachten einzuholen. Die Kammer lehnt dies sichtlich genervt ab und drängt Oberstaatsanwalt Christian Preissner dazu, sein Plädoyer zu halten. Dieser fordert 90 Tagessätze a 70 € fűr Andreas Schubert, weil er sich der fahrlässigen Tőtung durch Unterlassung schuldig gemacht hat.
Nebenklagevertretung spricht nun auch von Tőtung Oury Jallohs durch Dritte
Die Kammer mőchte das seit Januar 2011 andauernde Revisionsverfahren mit aller Entschlossenheit in den nächsten Prozesstagen zu Ende bringen. Indes fűhrte die Nebenklagevertreterin Gabriele Heinecke in ihrem Beweisantrag eine Reihe von Indizien an, welche die Anwälte in Vertretung der Familie nun dazu veranlasst haben, offen von einer Ermordung von Oury Jalloh zu sprechen. Heinecke forderte unter anderem ein ergänzendes Brandgutachten einzuholen, um alle Widersprűche hinsichtlich der Brandentstehung zu klären.
Die komplette Pressemitteilung könnt ihr hier lesen.
Geschichtsverdrehung
Vor kurzem waren wir in München für einen Workshop und sind auf das Völkerkundemuseum aufmerksam gemacht worden. Das Museum feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag und tritt dazu mit einem neuen Slogan an die Öffentlichkeit „Weltoffen seit 1862„. Angesichts der engen Verflechtung von Ethnolog_innen mit kolonialer Eroberung und Ausbeutung als auch mit der Rassenlehre ist solch ein Slogan mehr als zynisch. Während sich die meisten ethnologische Museen weigern sogenannte Sammlungsstücke in ihre Herkunftsländer zurückzugeben, feiert das Münchner Völkerkundemuseum seinen Geburtstag mit einer Ausstellung „Netzwerk Exotik„. Der elementare Zusammenhang zwischen Rassismus und Exotisierung wird nicht nur ignoriert. Durch den Weltoffenheits-Slogan betreibt das Völkerkundemuseum eine aktive Geschichtsumschreibung und ent-nennt das eigene Verstricktsein in gewaltvolle Geschichte.
Eine Woche später in Göttingen sind wir am Institut für Zoologie und Anthropologie vorbeigekommen. Hier ist die ethnologische Nähe zu biologistischen Vorstellungen sogar im Namen verankert.
International Migrants‘ Court
In der letzten Novemberwoche fand auf den Philippinen der erste „International Migrants‘ Court“ getagt. Das Gericht hat 37 Staaten, inklusive Deutschland, wegen moderner Sklaverei schuldig gesprochen. Mehr Infos zum Urteil gibt es hier.
Aus Deutschland war Rex Osa von The Voice anwesend und hat eine ausführliche Zeugenaussage vorgetragen.
Weihnachtsmarathon in der Spendenwerbung
Berlin und andere Städte hängen vor Weihnachten wieder voll mit neuen Werbekampagnen entwicklungspolitischer NGO. Auch wenn es neue Bilder sind, die Botschaften sind dieselben geblieben: Wenn wir hier im Globalen Norden nicht aktiv werden, verhungern und verdursten Menschen im Globalen Süden. Und uns wird es immer einfacher gemacht unser Gewissen zu beruhigen: wir müssen nur noch „handeln“ per sms an eine Nummer von terre des hommes schicken oder in eine leckere UNESCO-Pizza beißen und schon „befreien“ wir Kinder aus Arbeit und Not. Patenschaften dürfen wir natürlich weiter übernehmen, obwohl das Konzept von Paternalismus generierenden Patenschaftsprogrammen selbst innerhalb der entwicklungspolitischen Szene seit Jahren heftig kritisiert wird.
RADI-AID: Africa for Norway – The Way to Go?
Seit einigen Wochen findet die Aktion „RADI-AID: Africa for Norway“ und das dazugehörige Video in Deutschland und international weite Verbreitung. Unzählige Medien aus aller Frauen Länder berichten darüber und auf facebook hat RADI-AID mittlerweile über 10.000 Hits und um die 2.500 „likes“. Vor ein paar Tagen hat auch der Moderator bei einer Veranstaltung mit dem postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe zu „afrikanischer Protestkultur und revolutionären Ermächtigungen“ im Haus der Kulturen der Welt positiv darauf Bezug genommen. Uns erreichten aus allen möglichen Ecken E-Mails mit dem Hinweis auf die Webseite „Africa for Norway“ bzw. mit dem Link zum Video auf Youtube. Irgendwie finden alle die Aktion cool. Auch wir freuten uns zum Teil einen Kullerkeks, irgendwie gab es aber auch ein gewisses Unwohlsein. Dann haben wir den Text des Liedes mal genauer unter die Lupe genommen und uns informiert, wer hinter RADI-AID steckt und was Sinn und Zweck der ganzen Angelegenheit sein soll. Das Folgende ist dabei raus gekommen, es ist also immer wieder gut, dem Bauch zu vertrauen. Doch lest selbst …