Vor drei Jahren haben wir zusammen mit einem großen bundesweiten Bündnis den Offenen Brief „Decolonize Orientierungsrahmen!“ [https://decolonizeorientierungsrahmen.wordpress.com/] verfasst. In der Zwischenzeit ist der Orientierungsrahmen überarbeitet und neu aufgelegt wordenund wird in unzähligen Umsetzungsprojekten in Schulen und und in der Zivilgesellschaft verbreitet.
Anfang September diesen Jahres findet erneut eine Fachtagung zum Orientierungsrahmen [https://www.engagement-global.de/veranstaltung-detail/achte-kmk-bmz-fachtagung.html] in Bad Honnef statt. Ein Blick auf das Programm enttäuscht alle, die eine Weiterentwicklung im Sinne einer dekolonialen, emanzipatorischen Bildung erwartet haben. Inhaltlich glänzt die Veranstaltung mit Leerstellen zu macht- und rassismuskritischer Bildungsarbeit. Personell stehen v.a. weiße Männer im Programm. Migrantisch-diasporische und Schwarze Perspektiven sowie Perspektiven of Color fehlen erneut inhaltlich und auf den Podien. Ob die Organisator*innen der Veranstaltung von Engagement global wohl ihr eigenes Positionspapier zum Thema Anti-Rassismus [https://www.engagement-global.de/fachkreise.html?file=files/2_Mediathek/Mediathek_EG/Ueber_uns/Wer_wir_sind/Fachkreise/EG_Positionspapier_Anti-Rassismus.pdf] kennen? Die schönen Worte bleiben jedenfalls was den Orientierungsrahmen angeht, leere Worthülsen. Der Orientierungsrahmen ist nicht in der deutschen Migrationsgesellschaft angekommen. Im Gegenteil, der Orientierungsrahmen dient weiterhin als Werkzeug der Aufrechterhaltung weißer Überlegenheit.
Brechen wir das Schweigen! Solidarität mit Geflüchteten und Retter*innen
Die Situation auf dem Mittelmeer und in Libyen hat sich nochmals brutalisiert. Die Bedingungen für Seenotrettungen werden immer schwieriger. Die EU trägt zu dieser Eskalation bei.
Geflüchtete in Seenot werden derzeit vor allem von NGOs gerettet. Dagegen agiert die von der EU unterstütze sogenannte libysche Küstenwache immer härter gegen Geflüchtete und Retter*innen. Libysche Einheiten, ein undurchsichtiges Geflecht aus Sicherheitskräften, Milizen und Schleusern, schießen auf Rettungsboote und behindern die Arbeit von NGOs auf dem Mittelmeer. In Libyen werden Menschen verschleppt, gefoltert und vergewaltigt. Dies geschieht auch in offiziellen Haftzentren. Weiterlesen
kassel postkolonial
Im deutschen Kolonialismus war Kassel ein bedeutender Knotenpunkt, um koloniale Expansion voranzutreiben und Herrschaftsverhältnisse abzusichern. An vielen Orten finden sich bis heute Spuren davon: Die Orangerie war Schauplatz einer Kolonialaustellung, in der Witzenhäuser
Kolonialschule wurde Personal für die afrikanischen Kolonien ausgebildet und entlang der Unteren Königstraße haben zahlreiche Kolonialwarenläden Produkte vermarktet. Dem Projekt kassel postkolonial ist es wichtig, Verbindungen zwischen Kassels Rolle im historischen
Kolonialismus und unserem Alltag heute zu ziehen und das Nachwirken/Weiterwirken kolonialer Traditionen, Sichtweisen und Herrschaftsverhältnisse sichtbar machen.
Neuerscheinung: Decolonize the City!
Zur Kolonialität der Stadt – Gespräche | Aushandlungen | Perspektiven
Im Mittelpunkt stehen die Perspektiven derjenigen, die als zugleich rassifizierte, vergeschlechtlichte und sexualisierte ›Andere‹ hervorgebracht und gelesen werden – und sich selbst so verstehen oder auch nicht. Unter anderem geht es um politische Praktiken der Verortung, um Selbstbezeichnung im deutschen/transnationalen Kontext oder das Verhältnis zwischen Stadt und der Verortung rassifizierter Menschen und Communitys.
Nicht zuletzt will dieser Sammelband zu einer dekolonisierenden Wissensproduktion beitragen und zum Archiv von Sprache in antirassistischen Kämpfen.
Keine Erweiterung polizeilicher Befugnisse in der DNA-Analyse!
In größter Eile bemühen sich Sicherheitspolitiker_innen derzeit darum, noch in dieser Legislaturperiode die polizeilichen Befugnisse bei der DNA-Analyse drastisch zu erweitern. Mit einer Stellungnahme protestieren 25 zivilgesellschaftliche Organisationen gegen diesen äußerst bedenklichen Vorstoß. Sie bemängeln eine fehlgeleitete Informationspolitik, die Verletzung von Datenschutzrechten und befürchten rassistische Stimmungsmache. Weiterlesen
Tribunal | NSU-Komplex auflösen
Das Tribunal ist hervorgegangen und wird getragen von dem bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“ sowie von einer Vielzahl von Personen, die sich aus unterschiedlichen Motiven gegen Rassismus engagieren wollen. Eine hervorgehobene Stellung haben die Betroffenen des NSU-Terrors, deren Standpunkte ein besonderes Gewicht haben. Mitmachen können alle, die sich mit den Zielen des Tribunals identifizieren. Alle Menschen, Gruppen, Vereine, Institutionen, die das Tribunal unterstützen wollen, sind herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen und sich zu beteiligen.
Das NSU-Tribunal wird vom 17.-21. Mai 2017 in Köln stattfinden.
Programm hier
Presseschau hier
Anklage hier
Neue Publikation: Die Spitze des Eisbergs
Die Spitze des Eisbergs
Spendenwerbung der internationalen Hilfsorganisationen – Kritik und Alternativen
herausgegeben von glokal e.V. und Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
Ausgangspunkt für das Projekt (De-)koloniale Bilderwelten ist die entwicklungspolitische Spendenwerbung, die durch ihre Platzierung im öffentlichen Raum und in den Medien das Bewusstsein der Betrachter_innen prägt. Die Bilderwelten, die die Krisen im Globalen Süden porträtieren, sind geprägt von einer kolonialen Kontinuität. Die Körper von Schwarzen Menschen und Menschen of Color werden in passiven, leidenden, abhängigen Positionen gezeigt und auf diese reduziert.
Aus unterschiedlichen Positionen, Gruppen und Organisationen kamen Anstöße zu einer Auseinandersetzung mit Spendenwerbung und Öffentlichkeitsarbeit von Hilfsorganisationen. Hier stand jedoch erstens Kritik im Vordergrund, zweitens blieb die Diskussion eher szene-intern auf entwicklungspolitische Akteur_innen beschränkt.
Mit dem Projekt (De-)koloniale Bilderwelten wollten wir einen Schritt weitergehen, indem wir die Künstler_innen Rajkamal Kahlon, Isaiah Lopaz und Lena Ziyal dazu eingeladen haben, alternative Werbeplakate zu entwerfen. Diese wurden auf Plakatwänden an zentralen Plätzen im öffentlichen Raum Berlins gezeigt.
Außer den künstlerischen Beiträgen dieses Projekts versammelt diese Publikation zudem die Stimmen und Gegenentwürfe von Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen.
Download der e-Publikation hier
Willkommen ohne Paternalismus
Hilfe und Solidarität in der Unterstützungsarbeit
Seit dem sogenannten Sommer der Migration 2015 rücken die Themen Migration und Flucht zunehmend in den Fokus gesamtgesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Europaweit gründeten sich viele neue Gruppen, um Menschen auf der Flucht zu unterstützen und ihnen die Aufnahme zu erleichtern. Doch einige Geflüchteten-Selbstorganisationen kritisieren: „Die Hilfe war am Anfang gut. Aber Essen und Kleidung sind nicht genug.“
In der 80-seitigen Publikationen gehen wir aus vielfältigen Perspektiven auf die Phänomene Flucht, Migration, Hilfe und Solidarität ein. glokal e.V. bietet seit Jahren Seminare zu Rassismuskritik, Diskriminierungssensibilisierung und Empowerment an, auch für Geflüchteten-Unterstützungsgruppen. Aus dieser Erfahrung heraus sprechen wir Probleme an, die oft in Unterstützungsgruppen auftauchen und welche Ansätze es zu deren Überwindung gibt. Wir erweitern den thematischen Rahmen, in dem meist über Flucht, Migration, Macht und Rassismus gesprochen wird. Detailliert wird die Selbstorganisation Geflüchteter seit den 1990er Jahren in Deutschland behandelt, in Berichten und Interviews analysieren refugee-Aktivist*innen und andere Menschen mit Fluchterfahrung das Abschottungs- und Lagersystem, sowie Unterstützungsstrukturen.
Abschließend unterstützt eine ausführliche Reflexions- und Praxishilfe die Leser*innen aus Unterstützungsgruppen bei der Analyse und Transformation des eigenen Engagements.
Die Broschüre kann [hier] bei uns bestellt werden.
Wir fordern die Uni Frankfurt auf, sich zu zivilem Ungehorsam zu positionieren
Zwei Tage vor Weihnachten erreichte uns eine Antwort des Gleichstellungsbüros der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf unser Schreiben vom 18.12.2016. Wir freuen uns über die klaren Worte: Distanzierung von AfD und der Jungen Alternative; Einsicht in besorgniserregende Pressearbeit; Übernahme von Verantwortung für die Unterstützung rechter Hetze; Einschätzung zur Zufriedenheit der Workshop-Teilnehmenden und zur inhaltlichen Qualität des Workshops; Erklärung zur Wahrnehmung der Zusammenarbeit mit glokal e.V.; und Angebot zu einem klärenden Gespräch, evtl. mit der Uni-Präsidentin.
Wir sind jedoch angesichts der Auseinandersetzung mit der Universität und dem Gleichstellungsbüro nicht der Ansicht, dass der „eigentliche[] Skandal“ darin liegt, „dass Junge Alternative durch Falschaussagen die Arbeit gegen Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung beschädigen“. Was wäre denn von einer rechten Gruppierung anderes zu erwarten? Es ist also umso mehr die Verantwortung einer Gesellschaft mitgestaltenden Institution wie der Universität, einer allgemeinen Rechtsverschiebung der Politik, gesellschaftlicher Gruppen und des Sagbaren aktiv etwas entgegenzusetzen. Dies nicht zu tun, ist der Skandal.
Für uns ist diesbezüglich nicht nachzuvollziehen, warum sich das Gleichstellungsbüro nicht klar zur Notwendigkeit bekennen kann, zivilen Ungehorsam gegenüber rassistischen Praktiken wie Racial Profiling zu üben. Und wie sieht dies die Universität, die eine Angela Davis Gastprofessur für Gender und Diversity Studies eingerichtet hat? Angela Davis, die sich als Teil der Occupy-Bewegung sieht und für die gelebter Widerstand Dreh- und Angelpunkt ihrer Theorie und Praxis ist, hat es bei ihrem Aufenthalt in Frankfurt 2013 anlässlich der nach ihr benannten Professur „einerseits überrascht, gleichzeitig aber auch betroffen gemacht, wie sehr sich die Probleme mit rassistisch-motivierter Gewalt und Diskriminierung, z.B. in Bezug auf „racial profiling“ […] im deutschen und US-amerikanischen Kontext ähneln“ (http://www.cgc.uni-frankfurt.de/angeladavis-bericht.shtml). Nachdem die Kölner Polizei – wohlwissend, dass ihr Handeln von gegenwärtigen rassistischen Diskursen wohlwollend aufgenommen wird – in der Silvesternacht 2016 sich selbst brüstend massenhaft Racial Profiling durchgeführt und damit gegen das Grundgesetz verstoßen hat, ist es umso wichtiger, entschieden gegen institutionellen Rassismus zu handeln.
Einsicht und eine Entschuldigung an uns als Verein und an die direkt betroffen gemachten Referenten ist notwendig und gut. Die Goethe-Universität muss sich jedoch über das vereinzelnde dialogische Moment hinausgehend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. In diesem Sinne fordern wir von der Universität, sich zur Praxis des zivilen Ungehorsams in einem post-kolonialen, post-nationalsozialistischen Land zu positionieren und hierüber eine öffentliche Debatte zu führen.
Der rassistischen Polizeiselektion in der Kölner Silvesternacht müssen politische Konsequenzen folgen
Die Antirassistische Initiative e.V. verurteilt in ihrer Pressemitteilung vom 10.01.2017 aufs Schärfste die rassistischen Aussonderungen von Besucher*innen der Domplatte in der Silvesternacht und deren Verunglimpfung durch die Kölner Polizei und fordert Konsequenzen für die Verantwortlichen. Weiterlesen