Archiv des Autors: glokal

Develop-mental Turn

Der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag e.V. (BER) hat im April mit „Develop-mental Turn. Neue Beiträge zu einer rassismuskritischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit.“ eine Neuauflage der 2007 erschienenen Broschüre „Von Trommlern und Helfern“ herausgebracht. Neben vielen neuen Artikel zu aktuellen Diskussionen um Rassismuskritik und Entwicklungszusammenarbeit, finden sich in der Broschüre eine Reihe von Artikeln von glokal und glokal Mitgliedern, z.B. zu Grundlagen von rassismuskritischen und postkolonialen Perspektiven auf Entwicklungszusammenarbeit sowie zu den Arbeitsfeldern weltwärts Freiwilligendienst, Spendenwerbung, entwicklungspolitische Bildungsarbeit und Fairer Handel.

Die Broschüre kann beim BER bestellt werden.

Antwort vom weltwärts-Team des Welthaus Bielefeld auf unseren offenen Brief zur Broschüre “Wo bitte geht’s nach weltwärts?”

Bielefeld, 26.02.2013

Stellungnahme zur Auseinandersetzung um die Broschüre: „Wo bitte geht’s nach weltwärts?“vom weltwärts-Bereich des Welthaus Bielefeld

Liebe Leute von glokal e.V., liebe Leute, die ihr bisher mit der oben genannten Broschüre gearbeitet habt, liebe alle, die mit der Vorbereitung für weltwärts-Freiwillige zu tun haben.

Wir schreiben euch, weil wir auch als weltwärts-Bereich an der Debatte um die oben genannte Broschüre teilnehmen wollen. Euer offener Brief hat bei uns dazu geführt, dass wir uns intern im Welthaus Bielefeld mit der Kritik auseinandergesetzt haben. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir uns zu Rassismus und Kulturkonzepten weiterbilden wollen. Nichts desto trotz gibt es im Welthaus Bielefeld unterschiedliche Meinungen, so dass wir hier nur für unseren Bereich sprechen können.

Wir finden die Kritik an der Broschüre berechtigt. Es ist eine große Herausforderung, bei der Vorbereitung von weltwärts- Freiwilligen stereotypisierende Bilder in unser aller Köpfe zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Wir versuchen in unserer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit im weltwärts-Programm mit den Freiwilligen ein Verständnis ihrer eigenen Rolle zu erarbeiten. Wir kontextualisieren mit ihnen den Aufenthalt im Süden, damit sie in der Lage sein können, offen zu sein und den Kontext vor Ort differenziert wahr zu nehmen.

Wir befinden uns dabei in einem ständigen Lernprozess und verstehen uns nicht als Expert_innen. Wir möchten Anregungen geben und den Freiwilligen einen Raum geben, in dem sie sich mit Rassismus, Machtverhältnissen, globalen Zusammenhängen und Sprache und Bildern auseinandersetzen. Dies sind für uns elementare Bestandteile der pädagogischen Begleitung von weltwärts-Freiwilligen – von der Auswahl bis zur Rückkehr.

In einer Kombination aus länderspezifischer und länderübergreifender Vor- und Nachbereitung versuchen wir diese Fragen zu thematisieren, zu problematisieren und zu kontextualisieren. Das ist, wie bereits erwähnt, keine leichte Aufgabe und auch wir als weltwärts-Organisierende und pädagogische Begleiter_innen müssen uns immer wieder selbst hinterfragen und eigene Bilder und Haltungen reflektieren. Wir versuchen dabei deutlich zu machen, von welchem Standpunkt aus wir sprechen und sprechen können.

Wir arbeiten im Rahmen unserer pädagogischen Begleitung nur ausschnittsweise mit der kritisierten Broschüre und empfehlen sie auch nicht an andere, auch wenn es durchaus Übungen gibt, die wir als sinnvoll ansehen. In ihrer jetzigen Form kann die Broschüre nicht kommentarlos eingesetzt werden.

Wir bedanken uns für die Anregungen und freuen uns weiter mit allen Interessierten und mit der pädagogischen Begleitung von weltwärts- Freiwilligen Beschäftigten, eine offene und konstruktive Auseinandersetzung über nicht–rassistische Bildungskonzepte zu führen.

Für das weltwärts-Team:

Barbara Schütz

Veronika Kirschner

Klimawandel Kampagne

Das Eine Welt Netz NRW hat in Kooperation mit Naturstrom im Februar eine Plakatkampagne mit dem Titel „Klimawandel? Kein Problem! Wir freuen uns doch alle über wärmere Sommer“ NRW-weit geschaltet.

Das Informationsbüro Nicaragua e.V. hat daraufhin eine ausführliche Kritik formuliert, auf koloniale Darstellungsweisen aufmerksam gemacht und einen öffentlichen Dialog mit dem Eine Welt Netz gefordert. Das Netzwerk hat schnell gehandelt und einen ersten öffentlichen Diskussionstermin am 25. April mit dem Titel „Das Ende der Trommler und Helfer?“ eingeladen. Ob sie damit auch darauf hinweisen wollen, dass die Broschüre „Von Trommlern und Helfern“ fast vergriffen ist und der BER zeitnah eine neue Auflage mit dem Titel „Develop-mental turn“ herausbringen wird?

 

Kinderbuchdebatte

In Deutschland tobt seit ein paar Wochen eine heftige Kinderbuchdebatte: Indem diskutiert wird, was wir unseren Kindern vorlesen wollen, steht zur Diskussion, welches Bild von Welt und von sich selbst vermittelt werden soll. Leitmedien wie die ZEIT demonstrieren wirkmächtig und mit rassistischer Bildsprache unterlegt: Die weiße Mehrheitsgesellschaft soll weiterhin die Definitionsmacht darüber besitzen, welche Geschichten erzählt werden und mit welchen Worten sie erzählt werden sollen.
Die Debatte um die Verwendung des N-Wortes ist eine sehr zentrale, nicht zuletzt weil dadurch das aktuelle Rassismusverständnis des Mainstreams deutlich wird und zumindest ansatzweise zur Disposition steht. Leider passiert dies in den meisten Fällen durch die Reproduktionen und damit durch die Stabilisierung von Rassismus. Weiterlesen

Interkulturelle Öffnung der entwicklungspolitischen Szene

Entwicklungspolitik ist eines der internationalsten Arbeitsfelder. Daher ist die Verwunderung oft besonders groß, wenn festgestellt wird, dass in den meisten Institutionen und Nichtregierungsorganisationen fast ausschließlich Mitarbeitende aus der dominanten Mehrheitsgesellschaft arbeiten: Menschen aus dem Globalen Süden, Schwarze Menschen und People of Color scheinen mehr oder weniger strukturell ausgeschlossen zu sein.

In den letzten Jahren haben sich mehrere Projekte und Initiativen gefunden, die versucht haben das Thema der sogenannten Interkulturellen Öffnung in der entwicklungspolitischen Szene, vornehmlich in der Zivilgesellschaft, voranzubringen. Eines der Projekte war das vorzeitig beendete Projekt „move glokal/move global“ in Hamburg. Inzwischen ist nicht nur eine Evaluation des EWNW-Projektes, sondern auch eine Gegendarstellung des gekündigten Projektleiters Dr. Ali Fathi online. Weiterlesen

Black consciousness: Time to breach the white hole of oppression

Hier gibt’s einen weiteren Beitrag von Malaika wa Azania zur Debatte um Antirassismus in Südafrika, der auch für unsere Arbeit bei glokal wichtig ist: „Education must either function as an instrument that is used to facilitate integration of the younger white generation into the logic of the ­present system and bring about conformity, or it becomes the practice of freedom – the means by which they deal critically with reality and discover how to transform their thinking.“

Dear White People

„Settler Sister“ Gillian Schutte hat das Jahr mit einem Brief an ihre weißen Mitbürger_innen begonnen und damit in Südafrika die Debatte um historische Verantwortung und die Strategien antirassistischer und dekolonialer Kämpfe mal wieder zum Auflodern gebracht. Die Black Consciousness-Aktivist_innen Athi-Nangamso Esther Nkopo und Andile Mngxitama kritisieren in ihrer Antwort, Schutte würde sich als die gute Weiße produzieren und suggerieren, Weißsein könne individuell abgelegt oder in ein gutes, antirassistisches Weißsein transformiert werden. Jackie Shandus Kritik geht eher an die Adresse der Schwarzen, die Schutte abfeiern und damit ihrer Sehnsucht nach dem weißen Messias nachkämen, anstatt ihre eigenen Kämpfe zu führen. Hier ist eine Sammlung vieler lesenswerter Kommentare auf den Brief und zu der Debatte insgesamt. Schutte hat sich gestern dann auch nochmal zu Wort gemeldet. Solch politisch engagierte und intellektuell hochwertige Debatte in der Mainstream-Presse … Und uns bleibt nur übrig, uns über die Dünnbrettbohrerei in Zeit und Spiegel zu ärgern.

Delhi gang-rape: look westward in disgust

Emer O’Toole beleuchtet in The Guardian die neokoloniale Art und Weise, wie in den britischen und US amerikanischen Medien über die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Neu Delhi berichtet wird. Dieser Kommentar wird wiederum von Sunny Hundal kritisiert: Ihm zufolge benötigt Indien keine wohlmeinende Verteidigung durch Weiße, die Angst davor haben, als Rassist_innen abgestempelt zu werden. Vielmehr solle endlich indischen Frauen zugehört werden.