Archiv der Kategorie: Unkategorisiert

Wo sind all die…? HIER!

Aktuell werben wieder mehrere Plakatkampagnen, von Versicherungen bis Ministerien, mit Weißen Kindern in „Indianerkostümen“. Während in Nordamerika zumindest eine gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion um kulturelle Aneignung existiert – auch wenn im Mainstream da nicht viel von zu sehen ist -, ist diese in Deutschland kaum angekommen. Bis auf kleinere Adbusting-Aktionen wie das „Leitkultur macht stark“-Plakat, scheinen Plakatkampagnen wie die des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unwidersprochen zur deutschen Realität zu gehören.

Weiterlesen

Big Brother Award für die Bundespolizei

Der von dem Verein digitalcourage seit Jahren vergebene Anti-Preis für das Themenfeld Privatspäre und Datenschutz „Big Brother Award“ ist in diesem Jahr in der Kategorie Behörden & Verwaltung an die Bundespolizei vergeben worden. Grund ist die alltäglich angewandte Praxis des Racial Profiling, bei der Menschen verdachtsunabhängig aufgrund rassistischer Rasterungen von der Polizei kontrolliert werden. In der Laudatio werden u.a. obligatorische Antirassismus-Trainings für die Polizei, gefordert, sowie ein gesetzlicher Verbot von Polizeikontrollen aufgrund äußerlicher Merkmale.

 

Postcolonial Studies in Development and Global Education

Für alle, die Interesse haben über den Tellerrand der deutschen Diskussion zu schauen könnte der neue Blog, den Prof. Vanessa de Oliveira Andreotti ins Leben gerufen hat interessant sein: Postcolonial Studies in Development and Global Education. Er soll zur internationalen Vernetzung von Wissenschaftler_innen und Praktiker_innen dienen, die zu postkolonialen Perspektiven auf Entwicklungszusammenarbeit und Globales Lernen arbeiten und kann gerne aktiv mitgestaltet werden.

UN Antirassismusausschuss (CERD) rügt die Bundesrepublik im Fall Sarrazin

Der Türkische Bund Berlin Brandenburg hatte 2009 einen Strafantrag gegen Thilo Sarrazin wegen Volksverhetzung und Beleidigung bei der Berliner Staatsanwaltschaft gestellt. Das Verfahren wurde eingestellt. Nun hat der Türkische Bund beim UN Antirassismusausschuss (CERD) Beschwerde eingelegt und dieser hat in seiner Entscheidung die Bundesregierung schwer gerügt.

Der TBB-Sprecher Hilmi Kaya TURAN erklärte in einer Pressemitteilung: „Dies ist eine historische Entscheidung. Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass die Äußerungen Herrn Sarrazins auf einem Gefühl rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen und Elemente der Aufstachelung zur Rassendiskriminierung enthalten. Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass trotz vorhandener gesetzlicher Bestimmungen Umsetzung der Bestimmungen des Übereinkommens in der Bundesrepublik in der Praxis unzureichend ist. Der Ausschuss hat die Bundesrepublik aufgefordert, entsprechend zu handeln. Außerdem hat der Ausschuss implizit eine entsprechende Schulung der Staatsanwält_innen und Richter_innen empfohlen. Wir erwarten von der Bundesregierung, dem Bundestag und den Landesregierungen, dass die CERD-Empfehlungen ohne Verzögerung umgesetzt werden.“

Develop-mental Turn

Der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag e.V. (BER) hat im April mit „Develop-mental Turn. Neue Beiträge zu einer rassismuskritischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit.“ eine Neuauflage der 2007 erschienenen Broschüre „Von Trommlern und Helfern“ herausgebracht. Neben vielen neuen Artikel zu aktuellen Diskussionen um Rassismuskritik und Entwicklungszusammenarbeit, finden sich in der Broschüre eine Reihe von Artikeln von glokal und glokal Mitgliedern, z.B. zu Grundlagen von rassismuskritischen und postkolonialen Perspektiven auf Entwicklungszusammenarbeit sowie zu den Arbeitsfeldern weltwärts Freiwilligendienst, Spendenwerbung, entwicklungspolitische Bildungsarbeit und Fairer Handel.

Die Broschüre kann beim BER bestellt werden.

Antwort vom weltwärts-Team des Welthaus Bielefeld auf unseren offenen Brief zur Broschüre “Wo bitte geht’s nach weltwärts?”

Bielefeld, 26.02.2013

Stellungnahme zur Auseinandersetzung um die Broschüre: „Wo bitte geht’s nach weltwärts?“vom weltwärts-Bereich des Welthaus Bielefeld

Liebe Leute von glokal e.V., liebe Leute, die ihr bisher mit der oben genannten Broschüre gearbeitet habt, liebe alle, die mit der Vorbereitung für weltwärts-Freiwillige zu tun haben.

Wir schreiben euch, weil wir auch als weltwärts-Bereich an der Debatte um die oben genannte Broschüre teilnehmen wollen. Euer offener Brief hat bei uns dazu geführt, dass wir uns intern im Welthaus Bielefeld mit der Kritik auseinandergesetzt haben. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir uns zu Rassismus und Kulturkonzepten weiterbilden wollen. Nichts desto trotz gibt es im Welthaus Bielefeld unterschiedliche Meinungen, so dass wir hier nur für unseren Bereich sprechen können.

Wir finden die Kritik an der Broschüre berechtigt. Es ist eine große Herausforderung, bei der Vorbereitung von weltwärts- Freiwilligen stereotypisierende Bilder in unser aller Köpfe zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Wir versuchen in unserer entwicklungspolitischen Bildungsarbeit im weltwärts-Programm mit den Freiwilligen ein Verständnis ihrer eigenen Rolle zu erarbeiten. Wir kontextualisieren mit ihnen den Aufenthalt im Süden, damit sie in der Lage sein können, offen zu sein und den Kontext vor Ort differenziert wahr zu nehmen.

Wir befinden uns dabei in einem ständigen Lernprozess und verstehen uns nicht als Expert_innen. Wir möchten Anregungen geben und den Freiwilligen einen Raum geben, in dem sie sich mit Rassismus, Machtverhältnissen, globalen Zusammenhängen und Sprache und Bildern auseinandersetzen. Dies sind für uns elementare Bestandteile der pädagogischen Begleitung von weltwärts-Freiwilligen – von der Auswahl bis zur Rückkehr.

In einer Kombination aus länderspezifischer und länderübergreifender Vor- und Nachbereitung versuchen wir diese Fragen zu thematisieren, zu problematisieren und zu kontextualisieren. Das ist, wie bereits erwähnt, keine leichte Aufgabe und auch wir als weltwärts-Organisierende und pädagogische Begleiter_innen müssen uns immer wieder selbst hinterfragen und eigene Bilder und Haltungen reflektieren. Wir versuchen dabei deutlich zu machen, von welchem Standpunkt aus wir sprechen und sprechen können.

Wir arbeiten im Rahmen unserer pädagogischen Begleitung nur ausschnittsweise mit der kritisierten Broschüre und empfehlen sie auch nicht an andere, auch wenn es durchaus Übungen gibt, die wir als sinnvoll ansehen. In ihrer jetzigen Form kann die Broschüre nicht kommentarlos eingesetzt werden.

Wir bedanken uns für die Anregungen und freuen uns weiter mit allen Interessierten und mit der pädagogischen Begleitung von weltwärts- Freiwilligen Beschäftigten, eine offene und konstruktive Auseinandersetzung über nicht–rassistische Bildungskonzepte zu führen.

Für das weltwärts-Team:

Barbara Schütz

Veronika Kirschner

Klimawandel Kampagne

Das Eine Welt Netz NRW hat in Kooperation mit Naturstrom im Februar eine Plakatkampagne mit dem Titel „Klimawandel? Kein Problem! Wir freuen uns doch alle über wärmere Sommer“ NRW-weit geschaltet.

Das Informationsbüro Nicaragua e.V. hat daraufhin eine ausführliche Kritik formuliert, auf koloniale Darstellungsweisen aufmerksam gemacht und einen öffentlichen Dialog mit dem Eine Welt Netz gefordert. Das Netzwerk hat schnell gehandelt und einen ersten öffentlichen Diskussionstermin am 25. April mit dem Titel „Das Ende der Trommler und Helfer?“ eingeladen. Ob sie damit auch darauf hinweisen wollen, dass die Broschüre „Von Trommlern und Helfern“ fast vergriffen ist und der BER zeitnah eine neue Auflage mit dem Titel „Develop-mental turn“ herausbringen wird?

 

Kinderbuchdebatte

In Deutschland tobt seit ein paar Wochen eine heftige Kinderbuchdebatte: Indem diskutiert wird, was wir unseren Kindern vorlesen wollen, steht zur Diskussion, welches Bild von Welt und von sich selbst vermittelt werden soll. Leitmedien wie die ZEIT demonstrieren wirkmächtig und mit rassistischer Bildsprache unterlegt: Die weiße Mehrheitsgesellschaft soll weiterhin die Definitionsmacht darüber besitzen, welche Geschichten erzählt werden und mit welchen Worten sie erzählt werden sollen.
Die Debatte um die Verwendung des N-Wortes ist eine sehr zentrale, nicht zuletzt weil dadurch das aktuelle Rassismusverständnis des Mainstreams deutlich wird und zumindest ansatzweise zur Disposition steht. Leider passiert dies in den meisten Fällen durch die Reproduktionen und damit durch die Stabilisierung von Rassismus. Weiterlesen

Interkulturelle Öffnung der entwicklungspolitischen Szene

Entwicklungspolitik ist eines der internationalsten Arbeitsfelder. Daher ist die Verwunderung oft besonders groß, wenn festgestellt wird, dass in den meisten Institutionen und Nichtregierungsorganisationen fast ausschließlich Mitarbeitende aus der dominanten Mehrheitsgesellschaft arbeiten: Menschen aus dem Globalen Süden, Schwarze Menschen und People of Color scheinen mehr oder weniger strukturell ausgeschlossen zu sein.

In den letzten Jahren haben sich mehrere Projekte und Initiativen gefunden, die versucht haben das Thema der sogenannten Interkulturellen Öffnung in der entwicklungspolitischen Szene, vornehmlich in der Zivilgesellschaft, voranzubringen. Eines der Projekte war das vorzeitig beendete Projekt „move glokal/move global“ in Hamburg. Inzwischen ist nicht nur eine Evaluation des EWNW-Projektes, sondern auch eine Gegendarstellung des gekündigten Projektleiters Dr. Ali Fathi online. Weiterlesen