Seit gestern befinden sich Gefangene in der JVA Butzbach (Hessen) im Hunger- oder Bummelstreik, sie fordern für ihre Arbeit im Gefängnis unter anderem das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung, den Mindestlohn und die Einzahlung in die Rentenversicherung. Diesen Forderungen schließen sich über 140 Unterzeichner*innen einer Unterstützungserklärung an, davon 45 aus Hessen sowie Gewerkschafter/innen und Akademiker/innen aus Indien, Südafrika und Brasilien. Weiterlesen
Archiv des Autors: glokal
Vom Subjekt zurück zum Objekt?
Ob in Frankreich oder unter linken Aktivist_innen in Indien: Die Welt ist begeistert von Deutschland. Die Selbstprofilierung als „Willkommensweltmeister“ und „Flüchtlingshelfer_in“ hat vor allem einen Effekt: Sie übertönt die Gesetzesverschärfungen und die Repressionspolitik gegen Migrierende sowie die Hasstiraden und gewaltsamen Übergriffe „besorgter Bürger_innen“. Regierungspolitik und Rechte haben den öffentlichen Migrations- und Asyldiskurs nach rechts verschoben und dabei alles zertrampelt, was Geflüchteten- und Migrationsproteste in den letzten Jahren aufgebaut, umformuliert, neu gesetzt, erkämpft haben. Weiterlesen
A Revival of Explicit Population Policy in Development Cooperation: The German Government, Bayer, and the Gates Foundation
In this article, Susanne Schultz and Daniel Bendix trace the efforts by the German government, the pharmaceutical company Bayer, the population lobby, and the Gates Foundation to promote the hormonal contraceptive implant Jadelle. The authors conclude with a call for activists to fight for contraceptive safety, in the spirit of earlier challenges to implants, like Norplant.
Beyond #refugeeswelcome: The Spectre of Racist Violence and Lessons from Refugee Resistance in Germany
This text by Joshua Kwesi Aikins and Daniel Bendix reframes the current debate about refugees in Germany by contrasting Germany’s recent history of racist violence and limitations of asylum laws with the resistance and agency of refugee movements across Germany. Both provide an important lens to re-examine the simultaneous heralding of „welcome culture“, a sharp rise in arson attacks on asylum centres and the current legislative roll-back of refugee rights in Germany. In bringing these perspectives together the text offers a corrective of both the current image of Germany as a welcoming champion of refugee rights and the problematic notion of refugees as objects of German policies and civil society „help“ rather than subjects with a long history of resistance in Germany. Mehr lesen
Entferntes Kopfzerbrechen über Willkommensweltmeister und andere Verwirrungen
Chandra-Milena Danielzik argumentiert, dass die derzeitigen Mainstream-Diskurs in der BRD aka die Selbstprofilierung als ‚Flüchtlingshelfer‘ und als ‚Willkommenskultursieger‘ die Legitimation repressiver Asyl- und Migrationspolitik (mit-)ermöglicht. Sie fragt darüber hinaus nach Versäumnissen der deutschen, Weißen Linken in den letzten Jahren und inwiefern heutige Reaktionen (in)adequat sind. Weiterlesen
Zum internationalen Tag für Reparationen
Der 12. Oktober hat viele Bedeutungen: Columbus Day, Día de la Raza, Tag des indigenen Widerstands oder auch internationaler Tag für Reparationen. Dazu wollen wir in Kurzmeldungsformat auf ein paar Ereignisse hinweisen:
In Berlin hielten die über den Genozid an Herereo und Nama diskutierenden Bundestagsausschüsse einer Gruppe von Genozidforscher*innen der Herero Community aus den USA ebenso ihre Türen verschlossen wie die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU). Die Pressemitteilung des Kampagnenbündnisses Völkermord verjährt nicht findet sich hier.
In Caracas/Venezuela wurde die Statue von Christoph Kolumbus mit einer antikolonialen Statue ersetzt und in den USA wird weiter an Transforming Columbus Day gearbeitet. Einen aktuellen Beitrag gibt es bei Latino Rebels.
In Berlin ist der Blog „Rassismus_Verlernen: Kämpfe um Reparationen für Kolonialismus und Versklavungshandel“ mit ersten Beiträgen online gegangen. Aktuelle Beiträge von ColonialismReparation finden sind hier.
30 Jahre ISD
Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) wird 30 Jahre alt. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf spannende Veranstaltungen angesichts des Jubiläums.
Aus der Ankündigung:
„30ig Jahre ISD heißt drei Jahrzehnte, in denen die Interessen und politischen Anliegen Schwarzer Menschen in Deutschland vertreten und sichtbar gemacht wurden. Anlässlich dieses Jubiläums fließen in den Gründerstädten des Vereins Frankfurt/Wiesbaden die Ergebnisse und Schnittstellen zwischen Empowerment-, Bildungs- und Informationsarbeit in einem Rahmenprogramm zusammen. Indem Schwarze Menschen aus ihrer eigenen Perspektive ihre Lebensrealität und Geschichte durch gegenwartsbezogenere Arbeiten sichtbar machen, wird ihr Recht auf Teilhabe und Partizipation in Deutschland zur gelebten Realität.“
Tribunal statt Heiligsprechung
Die Heiligsprechung des Missionars Junípero Serra durch Papst Franziskus in dieser Woche hat die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Mission und Kolonialismus einmal wieder in die Weltöffentlichkeit gebracht. Schon im Vorhinein gab es viel Protest von Native American Organisationen und Aktivist*innen. Das American Indian Movement (AIM) in Kalifornien hat in Los Angeles ein Tribunal für Serra veranstaltet, in dem er u.a. für Versklavung, Folter und Beteiligung am Völkermord verurteilt wurde. Der Walk of Anchestors rief nach einem 650 Meilen langen Pilgerweg in Gedenken an die Opfer der Missionierung am Tag der Heiligsprechung einen „Day of Mourning“ aus. Eine Initiative um Norma Flores versuchte per Petition die Heiligsprechung zu verhindern. Ein Interview mit Flores findet sich hier.
Für alle Interessierten an dem Zusammenhang zwischen Mission und Kolonialismus, sei der Film Das Koloniale Missverständnis von Jean-Marie Teno empfohlen.
Nachtrag: Und hier noch der Hinweis auf einen ausführlichen Hintergrundartikel von Indiancountrytodaymedianetwork.
Post für den Klett-Verlag zum neuen Schuljahr
Gestern haben wir dem Klett-Verlag unseren Offenen Brief zur Einstellung der I***-Hefte geschickt. Über 200 Unterzeichner*innen aus Schule, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus dem In- und Ausland haben unsere Forderungen unterschrieben und wenden sich gegen die diskriminierende und stereotype Darstellung von Native Americans in denen vom Klett Verlag herausgegebenen „Meine Indianerhefte“. Auf unserem Online Portal mangoes&bullets haben wir dazu eine Reihe weiterführender Materialien und Hintergrundliteratur zusammengestellt.
Über Entschuldigungen…
Die entwicklungspolitische Szene in Deutschland setzt sich in den letzten zehn Jahren vermehrt mit Rassismus auseinander. In diesen Prozessen spielt die Zusammenarbeit zwischen weißen Organisationen und People of Color sowie migrantisch-diasporischen Organisationen oft eine wichtige Rolle. In dieser, oft auch nur punktuellen Zusammenarbeit, ist es in den letzten Jahren immer wieder zu größeren und kleineren Rassismusreproduktionen gekommen. Die meisten Vorfälle und Konflikte erreichen nicht die Öffentlichkeit und versanden leider häufig ungelöst im Alltag der (meist weiß bleibenden) Organisationen.
Ein Fall, der größere Wellen schlug, war die Beendigung des Projektes „move global/glokal“ durch das Eine-Welt Netzwerk (EWNW) 2010/2011 in Hamburg mit der Abwicklung des Teams (2010) sowie der anschließenden Kündigung des Projektleiters (2011). Die AG Sporen Lobal (Hinweis Juni 2016: Der Blog der AG Sporen Lobal ist inzwischen offline. Die Dokumentation geht weiter auf der Seite von MEPa Nord.) schaffte über ihren Blog größtmögliche Transparenz über den weiteren Umgang mit dem Konflikt innerhalb des EWNWs, zeigte, dass der Fall nicht vergessen war und übte Druck auf den Verein aus, nicht noch mehr Gras über die Sache wachsen zu lassen. Siehe dazu auch unseren Beitrag von 2013.