Archiv des Autors: glokal

Offener Brief „Decolonize Orientierungsrahmen!“ veröffentlicht

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2007 den Orientierungsrahmen für den Lernbereich globale Entwicklung veröffentlicht. Dieser hat sich in den letzten Jahren als Referenzrahmen für (außer-) schulische Aktivitäten des Globalen Lernens und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung herauskristallisiert. In den letzten beiden Jahren wurde der Orientierungsrahmen von der Arbeitsgruppe überarbeitet und erweitert, allerdings ohne Kritiken v.a. aus postkolonialen und migrantisch-diasporischen Perspektiven aufzugreifen, die mehrfach u.a. auf gemeinsamen Podiumsteilnahmen, Anfragen, Publikationen zur macht- und rassismuskritischen Analysen zum derzeitigen Orientierungsrahmen eingebracht wurden. Nun steht seit Mitte Juli 2014 die überarbeitete Neufassung des Orientierungsrahmens zur öffentlichen Diskussion im Internet bereit.

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Im Gedenken an Aneck – Rassismus tötet!

Am 19.07. ertrank Aneck (35) im Plötzensee. Gemeinsam wollen wir um ihn trauern und unserer Erschütterung darüber Ausdruck verleihen, dass Rassismus Menschen in Deutschland zu Tode bringt. Die Polizei hat die Ermittlungen beendet, ohne wirklich der Frage nachzugehen, ob zwischen der Tatenlosigkeit des Bademeisters und dessen Aktivitäten in der Berliner Neonaziszene ein Zusammenhang besteht.

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Flüchtlingsfrauengruppe auf Tour quer durch Deutschland: Zwischenbilanz

Seit dem 14.07.2014 ist die feministische Gruppe ‚Women in Exile & Friends‘ mit dem Fluchtschiff­projekt von Heinz Ratz von Nürnberg nach Berlin unterwegs. Mit einer Reise auf Flößen machen sie auf die Situation von Flüchtlingsfrauen und Kindern auf­merksam und sprechen im Rahmen eines Begleitprogramms in Unterkünften für Asylsuchende mit den Bewohnerinnen über ihre Sorgen und Probleme. Nun ziehen sie eine erste Bilanz. Weiterlesen

Oranienplatz-Aktivist in Abschiebehaft – Flüchtlingsrat fordert Freilassung

Am 29. Juli 2014 wurde Badra Ali Diarra, ein Aktivist vom Oranienplatz, auf Betreiben der Ausländerbehörde Börde (Sachsen-Anhalt) in Abschiebehaft genommen. Er soll nach Italien abgeschoben werden. Der Mann aus Mali ist Teil des sogenannten Oranienplatz-Agreements mit dem Senat. Die vom Senat zugesagte Umverteilung nach Berlin und anschließende Einzelfallprüfung wurde ihm jedoch nicht zuteil. Auch der im Einigungspapier zugesicherte Abschiebestopp wird nicht gewährt. Weiterlesen

Prozesse gegen Rassismus im Münchner Nachtleben

In Zusammenarbeit mit dem Ausländerbeirat München hat Hamado Dipama letztes Jahr am 19.04.2013 und 20.04.2013 mit sechs Freunden unterschiedlicher Herkunft sowie mit der Journalistin IsabelIe Hartmann vom Bayerischen Rundfunk eine Testaktion in 25 Münchner Nachtclubs und Diskotheken durchgeführt. Das Ergebnis war niederschmetternd. Von den insgesamt 25 besuchten Clubs und Diskotheken wurde den Aktionsteilnehmenden afrikanischer und türkischer Herkunft nur in 5 der 25 Lokalitäten der Einlass gewährt, während die Vergleichspersonen ausnahmslos in jeden Club eingelassen wurden. Nun kam das Amtsgericht München zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass eine Diskriminierung des Klägers Hamado Dipama nicht belegt ist. Zu dieser skandalösen Gerichtsentscheidung hat der Ausländerbeirat München folgende Pressemitteilung verfasst. Weiterlesen

The World War One in Africa Project: What happened in Africa should not stay in Africa

For the next four years, the world is celebrating the Centenary of World War I,  and once again Africa is not invited to the party. This project a attempts to tell the stories of Africans’ involvement in the Great War. For example, throughout the East Africa campaign, the longest and deadliest part of the war on the continent by far, both Britain and Germany relied heavily on porters, to the tune of four per one soldier. This translated into one million Africans under British command carrying, cooking, cleaning, and dying of exhaustion, malnutrition and disease, in a guerrilla war of short raids and long treks from present-day Kenya to Zambia over the course of four years. In Germany, berlin postkolonial contributes to challenging Europe’s colonial amnesia with a project that questions the idea that the war only lasted four years and rather embeds it in the longer history of Europe’s colonial endeavours.

Sexistischer Kackshitstorm und Solidaritätserklärungen

Nachdem Wissenschaftler_innen, die sich mit Geschlechter- und Sexualitätsforschung beschäftigt, aufgrund ihrer sexualpädagogischen Veröffentlichungen in den letzten Wochen in Medien wie Facebook, in Blogs und mit E-Mails auf das Schärfste sexistisch und homophob beleidigt und persönlich bedroht wurden, erklären sich Kolleg_innen und Initiativen per Solidaritätserklärungen solidarisch. Diese werden dann wiederum Ziel von Anfeindungen. Selbst der universitäre Betrieb hat sich angesichts des Ausmaßes der Angriffe zu einer Erklärung bewegen lassen.

 

Rassismus tötet: Jetzt auch im Freibad?

Am Samstag, den 19. Juli, ist ein junger Schwarzer Mann im Plötzensee in Berlin-Wedding ertrunken. Der diensthabende Bademeister des Freibades wurde vor einem Jahr nach rassistischen Gewaltvorfällen im Strandbad als Neonazi geoutet. Nun ist er bei dem Badeunfall anscheinend auffällig untätig geblieben, und die Freibadleitung stellt sich kategorisch hinter ihn. Auf der Facebook-Seite des Freibades wurde intensiv über den Vorfall und die Reaktion des Freibad-Unternehmens diskutiert. Fragen, ob die Unterschrift des Bademeisters unter eine Ausstiegserklärung aus der rechten Szene oder die teilweise „migrantische“ Zusammensetzung des Schwimmbadpersonals ausreichen, um den Rassismusvorwurf prinzipiell aus dem Weg zu räumen, waren den Freibadbetreibern wohl zuviel: Die Facebook-Seite ist verschwunden. Aber ein aufmerksamer Mensch hat dies und die Diskussion öffentlich gemacht. Die unliebsamsten weil kritischsten Kommentare waren allerdings schon vorher vom Freibad gelöscht worden.

Kritik an Doku über Antirassismus-Training im ZDF

Am 10. Juli 2014 zeigte ZDFneo die Dokumentation „Der Rassist in uns“. Freiwillige nehmen an dem sogenannten „Blue-Eyed-Training“ teil, welches die Teilnehmenden am eigenen Leib erfahren lassen soll, was Diskriminierung bedeutet. Macht das Experiment wirklich deutlich, wie Rassismus funktioniert? Hilft es, Rassismus zu bekämpfen und zurückzudrängen? „Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.“ findet Nein und argumentiert in dem Beitrag „Der autoritäre Charakter. Das ZDF-Projekt ‚Der Rassist in uns'“, dass das Experiment einer emanzipatorischen Bildungsarbeit“ widerspricht. Unserer Meinung nach werden mit dem Ansatz der Blue-Eyed-Trainings, die Empathie und Verständnis bei Weißen wecken wollen („in vier Stunden kannst du nachempfinden, wie sich Rassismus anfühlt“), vielmehr Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen und People of Color bagatellisiert. Rassismus wird auf eine zwischenmenschenliche Ebene reduziert, anstatt das komplexe Zusammenwirken mit gesellschaftlicher und institutioneller Ebene zu thematisieren. Aus unserer Perspektive vernachlässigt das Experiment neben Widerstandsperspektiven somit vor allem auch den historisch gewachsenen, strukturellen Charakter von Rassismus, den Ahmer Rahmans Clip zu Reverse Racism gut auf den Punkt bringt.