Archiv des Autors: glokal

1. International Day for Reparations Related to Colonialism / Journée internationale pour les réparations liées à la Colonisation

Am 12. Oktober 1492 ist Christopher Kolumbus in der „Neuen Welt“ angekommen. Das Datum kennzeichnet den Beginn von Eroberung und Ausbeutung. Ein Zusammenschluss von Organisationen und Initiativen weltweit ruft 2013 erstmalig zum „International Day for Reparations Related to Colonialism“ auf. glokal hat den Aufruf unterzeichnet. Hier ein kurzer Ausschnitt daraus:

Colonization is a global phenomenon: there is hardly a country in the world that has not been colonized, a colonizer, or both, such as the United States. Colonization is one of the phenomena that has most disrupted humanity. It has left a deep and lasting impression on all continents and the consequences of this are

  • demographic: there are millions of people who have been exterminated, deported, or sold into forced labour.
  • political: in Africa, America, Asia, and Oceania, cities, kingdoms and empires have disappeared. Traditional communities were gradually disrupted and subjected to European domination.
  • economic: the entire economic fabric of societies was brutally dismantled. Crops were looted and famines became more frequent. Dispossessed of their own wealth, those who were colonized were permanently immersed in a state of chronic poverty.
  • cultural: colonization destroyed many civilizations, languages, cultures and religions. Those who were colonized often lost their roots and their identity. The social image of the non-European was degraded and this has facilitated the development of racist theories, which has fuelled violence and discrimination of all kinds.
  • ecological: the introduction of technologies in the service of profit and productivity focused visions caused the ransacking of millions of hectares of forests, the wasting of natural resources, the pollution of whole regions and it has made the environment fragile and deteriorated public health. It has also helped to disrupt ecosystems and, of course, the most devastating effect of colonization from an ecological aspect is the increase of global warming.

Hetze gegen Marika Schmiedt – widerständige Roma-Positionen werden kriminalisiert

Der Paria hält die Solidarisierung mit Marika Schmiedt für unerlässlich, weil mit ihr die gesamte Roma-Freiheitsbewegung kriminalisiert wird. Besonders empört ist Der Paria über die Komplizenschaft des Obmanns österreichischer Roma Rudolf Sarközi mit den ungarischen Nationalisten, weswegen auch ein offener Brief an Sarközi verfasst wurde. Hier geht es zum Artikel von Der Paria.

The Big Five as dangerous as ever: German development cooperation, colonial-racist imagery, and civil society’s response

Als Reaktion auf die diversen Stellungnahmen gegen die BMZ-Plakatkampagne „The Big Five“ haben wir einen Artikel verfasst, der einen selbstkritischen Rückblick darstellen und die Debatte auch einem englischsprachigen Publikum zugänglich machen soll. Der Artikel ist in der Zeitschrift Critical Literacy: Theories and Practices veröffentlicht worden. Wir hoffen, er ist hiflreich für die weitere Auseinandersetzung um Rassismus und Herrschaftsverhältnisse in der EZ. Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden.

Stellungnahme zum Feature „Musikalische Missionierung. Barockmusik aus dem Dschungel“

Am 30.08.2013 sendete der Deutschlandfunk das Feature „Musikalische Missionierung. Barockmusik aus dem Dschungel“. Lena Böllinger hat als Reaktion darauf einen Brief verfasst, den wir hiermit öffentlich machen wollen. Mehrere Organisationen haben ihn unterschrieben, unter anderem glokal.

Nachtrag: Judith Grümmer hat für den Deutschlandfunk eine Antwort verfasst, den Sie hier finden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe am 30. August 2013 Ihr Feature „Musikalische Missionierung. Barockmusik aus dem Dschungel“ im Deutschlandfunk gehört. Ich bin zutiefst entsetzt und empört über die Art und Weise der Thematisierung des Kolonialismus und der damit zusammenhängenden Missionierungstätigkeiten der Jesuiten. An keiner Stelle findet in Ihrem Feature eine kritische Reflektion des Zusammenhangs zwischen Missionierung, kolonialer Gewaltgeschichte und Rassismus statt. Statt dessen versucht das Feature Missionierung als „sanfte Kolonialisierung“ zu beschönigen und zu legitimieren. Damit aktualisiert und reproduziert es kolonial-rassistische Stereotype und weiße[1] Überlegenheitsfantasien. Weiterlesen

Institutionelle Diskriminierung

Vor kurzem hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ihren neuen Bericht zu Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben publiziert. In dem Bericht wird nicht nur ausführlich dargestellt, wie diskriminierend und ausschließend die deutsche Bildungs- und Arbeitslandschaft ist, es werden auch umfangreiche Empfehlungen für Veränderungen gegeben.

Der Blick in entwicklungspolitische Institutionen und Organisationen in Deutschland bestätigt, dass auch und gerade hier diese Empfehlungen dringend zur Kenntnis genommen werden sollten. Der neu gegründete Dachverband Migration-Entwicklung-Partizipation e.V. (MEPa) betont in einer Stellungnahme, dass sie „in vielen Bundesländern eine angemessene Einbindung migrantischer Experten“ vermissen und „gegenwärtig die Chancengerechtigkeit für die Migrant/innen in den NRO- Strukturen nicht gewährleistet“ sehen. Noch konkreter wird die AG Sporen lobal aus Hamburg. In einem Artikel „Ein Jahr Rassismusvorwurf gegen Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V.“ hält sie Rückblick darauf, wie mit dem Vorwurf des strukturellen Rassismus gegen das Landesnetzwerk umgegangen wurde:
„Eine Mauer des Schweigens umgibt die Affäre moveGLOBAL, wie die meisten Diskriminierungsfälle hier zulande. Die Persönlichkeiten im ehemaligen moveGLOBAL-Projektbeirat decken EWNW den Rücken und kehren die Affäre unter den Teppich. Die Arbeitsgemeinschaft der Landesnetzwerke in der Eine-Welt-Arbeit – agl – stellt ihr Hamburger Mitglied EWNW nicht in Frage. Der zum Teil neu gewählte Vorstand des EWNW schweigt – ebenso wie der alte. Der Geldgeber BMZ scheint das Thema vergessen zu haben. Business as usual – Ein Jahr Rassismusvorwurf gegen Eine Welt Netzwerk Hamburg e. V.“

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Stellungnahme von Edewa zur Abschaffung des N-Worts

Die Einkaufsgenossenschaft antirassistischen Widerstandes (Edewa) knüpft an die Anfang des Jahres geführte Debatte um Rassismus in Kinderbüchern an und feiert in Solidarität mit den Schwarzen Communities in Deutschland die Abschaffung des N-Worts. Die Stellungnahme findet sich hier.

 

Etappensieg gegen Windmühlen

In den letzten Tagen wurden sowohl eine kolonial-rassistische Sendereihe als auch ein rassistischer Werbespot eingestellt. Es ist zwar nicht ganz klar, was Pro7 bewogen hat, die Sendereihe Reality Queens of Safari einzustellen, aber neben niedrigen Einschaltquoten hat die umfassende Kritik von NRO und vielen anderen sicherlich auch dazu beigetragen. Die Kampagne gegen die Sendung hat es sogar geschafft, auf Spiegel Online erwähnt zu werden. Bei dem Werbespot von Ferrero ist die Sache eindeutiger. Medien wie Neues Deutschland, taz und Stern berichteten darüber, aber vor allem gab es viele Leser_innenbriefe und einen Sturm der Kritik in „sozialen Netzwerken“. Auch wenn Einsicht anders aussehen könnte, als uns Begriffsstutzigen zu erklären, dass es sich „[b]ei der aktuellen Werbung […] um die Darstellung einer Produktvariation von Ferrero Küsschen mit weißer Schokolade“ handelt und sich „[a]lle Aussagen […] demnach einzig auf die weiße Schokolade [beziehen] – selbstverständlich ohne fremdenfeindlichen Hintergedanken“, so hat sich Ferrero aufgrund der „kritischen Stimmen […] für eine Überarbeitung der Werbung entschieden“. Der Videoclip wurde zurückgezogen und der Spruch „Deutschland wählt weiß“ ist auf keinem Werbeplakat mehr zu finden.


 

Lüderitz geht in Namibia – und bleibt in München

In Nambia wurden letzte Woche zwei Städte und ein Küstenabschnitt durch den Präsidenten Hifikepunye Pohamba umbenannt. Die Namen Lüderitz, Schuckmannsburg und der Caprivi-Streifen verschwinden damit von der Landkarte.

In Deutschland hingegen bleiben trotz vielfältiger Proteste koloniale Straßennamen erhalten. In München beispielsweise hat der Stadtrat eine Aufforderung des Ausländerbeirats zur Umbenennung von Straßennamen, die nach Kolonialverbrechern und Massenmördern benannt sind, abgelehnt. Ein Bündnis von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen fordert nun eine verantwortungsvolle Entkolonialisierung der Münchner Straßennamen.

Aktuelle Ausstellungen zu kolonialen Straßennamen und den Widerstand dagegen gibt es in Berlin, Hamburg und München.

Asyl: Spiel vs. Realität

In Berlin-Hellersdorf wehrt sich die Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf mit T-Shirt- Aufdrucken wie „Nein zum Heim“ sowie den Daten des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen gegen ein geplantes Asylbewerberheim in ihrem Bezirk. In Berlin-Reinickendorf haben Mieter_innen einen Anwalt beauftragt, um durchzusetzen, dass Kinder aus dem benachbarten Heim nicht mehr auf dem Spielplatz vor ihrem Haus spielen dürfen. Im schweizerischen Aarau verbietet die Stadtverwaltung Asylbewerber_innen den Besuch des örtlichen Schwimmbades, der Sportanlagen, der Bibliothek und der Kirchen.

Zeitgleich zu diesen rassistischen Aktionen startet das ZDF die Show „Auf der Flucht – Das Experiment“, in der sich deutsche Prominente “in die Ursprungsländer Asylsuchender in Deutschland“ aufmachen sollen und so “am eigenen Leib [erfahren], was es heißt, auf der Flucht zu sein”. Anstatt Geflüchtete selbst zu Wort kommen zu lassen, zieht es das staatliche deutsche Fernsehen vor, eine Sendung voller rassistischer Bewertungen und Beschreibungen zu produzieren. Nadia Shehadeh hat einen offenen Brief an den ZDF Fernsehrat geschrieben. Er kann hier auch unterschrieben werden.

Ähnlich problematische Sendereihen strahlen derzeit übrigens RTL und Pro7 aus: Wild Girls – Mit Highheels durch Afrika und Reality Queens of Safari. Letztere wurde nun aufgrund niedriger Einschaltquoten und umfassender Kritik von NRO und vielen anderen eingestellt. Nicht zu unrecht fragt sich ein Kommentator auf africaisacountry „What’s wrong with the Germans?“.

weltwärts ohne Helfen?

Die Webseite des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts wurde komplett neu überarbeitet. Nicht nur das Layout hat sich verändert, auch inhaltlich wurde eine Neuausrichtung angekündigt. Im Follow-up-Prozess der Evaluierung wurde entschieden, den vielkritisierten Slogan „Lernen durch tatkräftiges Helfen“ ersatzlos zu streichen. Weltwärts versteht sich von nun an als Lerndienst und nicht als Hilfsdienst.

Der erste Blick auf die neue Homepage macht deutlich, dass der Helfen-Diskurs nach wie vor sehr präsent ist: wenn zwar nicht mehr im Slogan, dafür fast prominenter in dem interaktiven Banner, der die Startseite, aber auch alle Unterseiten dominiert. Einzelne Akteur_innen des Programms kommen hier zu Wort und fast überall finden sich Formulierungen, die eine aktive, helfende Rolle der weltwärts Freiwilligen in ihren Gastländern beschreiben:

Corinna W., Bolivien: „In Bolivien lerne ich sehr viele Dinge für mein Leben, die ich an der Uni nicht lernen würde. Ich tue etwas Sinnvolles und entdecke gleichzeitig eine andere Kultur, so dass ich meine Entscheidung in keinem Moment bereue.“

Stefan Beutel, Geschäftsführer DRK Soziale Freiwilligendienste Mecklenburg-Vorpommern: „Ich bin begeistert von weltwärts! Die Freiwilligen unterstützen die Einsatzprojekte und lernen darüber hinaus viel über die Kultur und die Menschen des Einsatzlandes.“

Lourdes Jibaja, Asociacion Cultural Estrella del Sur, Peru: „Die Freiwilligen bewirken einen Wandel in den abgelegenen und vom Staat vernachlässigten Gemeinden, mit denen wir arbeiten.“

Andrea P., ehrenamtliche Seminarleiterin: „Wir sind eine der ältesten Freiwilligendienstorganisationen Togos und setzen uns für den interkulturellen Austausch zwischen den lokalen Gemeinden und den weltwärts-Freiwilligen ein, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.“

Gerónimo Vera, Asosiacón de Usuarios de Manglar Cerrito de los Morreños: „Im Golf von Guayaquil setzen wir gemeinsam Projekte zur besseren Gesundheitsversorgung, Müllentsorgung oder zur Trinkwasseraufbereitung um.“